Zugesetzt

Ich glaube unsere Mannschaft muss heute mit dem Ergebnis zufrieden sein. Denn so wie das Spiel gelaufen ist, hätte es auch noch anders kommen können.

Diese anerkennenden Worte fand Bayern-Manager Uli Hoeneß 1986 nicht etwa nach einer Partie gegen Bremen oder den HSV, sondern nach dem 1:1 bei Blau-Weiß 90.

Die Berliner stiegen bekanntlich am Ende der Saison als abgeschlagener Tabellenletzter aus der 1. Bundesliga ab. Umso erstaunlicher erscheint der Spielverlauf dieser Begegnung in der Sportstudio-Zusammenfassung. Gleiches gilt auch für die Kommentatorenleistung des jungen Jörg Dahlmann, die vergleichsweise nüchtern und sachlich, ich bin fast geneigt zu sagen: gut daherkommt. Viel Spaß damit:

Ein Pokalrekord, der keiner ist

41.400 Zuschauer haben das Pokalspiel zwischen Germania Windeck und Bayern München im Stadion gesehen. Diese Kulisse bedeutet einen Rekord für einen Amateurclub im DFB-Pokal.

Behaupten unter anderem die (sid-Meldung), die, die oder auch die. Welt Online setzt sogar noch einen drauf:

Vor 41 100 Zuschauern im Kölner WM-Stadion (Weltrekord für Spiele zwischen Amateur- und Profiklubs) […].

Ein WELTREKORD also. Ob es sich dabei um einen deutschen oder internationalen Weltrekord handelt, bleibt indes unklar.

Wir sehen hier also ein bunte Mischung verschiedener Mediengattungen – Nachrichtenmagazin, Special-Interest-Portal, lokale und überregionalen Zeitungen –, die eine Tatsache eint:

Die Rekord-Behauptung ist falsch!

Bereits ein gar nicht allzuweit zurück gerichteter Blick in die Archive hätte gezeigt, dass da etwas nicht stimmen kann. In der Pokalrunde 07/08 empfing im Achtelfinale der Wuppertaler SV (damals: Regionalliga Nord, 3. Liga) eben jenen Rekordmeister, der scheinbar gerne für solche Rekordkulissen sorgt. 61.482 Zuschauer wollten damals die in der Schalker Arena ausgetragene Partie live vor Ort verfolgen. Genau 20.382 mehr als gestern in Köln.

Wie kann es zu dieser vielfachen Fehlleistung kommen? Nun, vermutlich beruft man sich allerorten auf den ZDF-Mann, der die Zusammenfassung des Spiels kommentierte und diese Rekord-Mär in die Welt setzte. Deshalb schreiben wir uns dick und fett ins Journalisten-Handbuch: Zur Verifizierung solcher Sachverhalte müssen immer mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen bemüht werden.

Wenn Kinder handeln und Milchmädchen rechnen

Ziemlich schwere Geschütze, die Karl-Heinz Rummenigge in der aktuellen Ausgabe der Sport-Bild auffährt:

Ein Arsene Wenger holt offenbar jedes Jahr Heerscharen von Spielern aus Frankreich und sonst woher. Dieser Art von Kinderhandel gilt es Einhalt zu gebieten. Das hat inzwischen ja Ausmaße angenommen, da ist das Wort Kidnapping nicht mehr weit.

Da so etwas ja mal überhaupt nicht geht, fordert die Schande von Lippstadt für die nationalen Ligen eine ähnliche Quotenregelung für Eigengewächse, wie sie bereits in der Europapokal-Wettbewerben angewendet wird:

Im Europacup gilt die so genannte 4+4-Regel, wonach in jedem Kader acht Spieler stehen müssen, davon vier in der Startelf, die zwischen dem 15. und 21. Lebensjahr mindestens drei Jahre in dem jeweiligen Land ausgebildet wurden. Die Nationalität spielt keine Rolle.

Ich verstehe ja, dass Rummenigge von der Unfähigkeit der eigenen Scouting-Abteilung ablenken möchte. Was mir aber nicht so recht einleuchtet: Wenn ein 15-jähriger Spanier nach England wechselt, dann greift bei ihm doch bereits mit 18 diese drollige 4+4-Regel. Oder etwa nicht? Nach meinem Verständnis wäre das geradezu eine Einladung für die Top-Vereine, möglichst viele und immer jüngere Talente aus dem Ausland zu verpflichten.

Nun, entweder unterliegt der Kalle einem Denkfehler, oder eben ich. Da der Vorstandsvorsitzende einer Fußball-AG aber eigentlich keine Fehler macht…

Übrigens: Der Gescholtene ist weder verwandt noch verschwägert mit jenem Arsene Wenger, der momentan und in regelmäßigen Abständen als heißer Kandidat fürs vakante Traineramt gehandelt wird.

Osram und Tiger

Den größten Fehler, den ich während meiner Tätigkeit als Manager beim FC Bayern begangen habe, war die Entlassung von Jupp Heynckes 1991.

Gut möglich, dass Uli Hoeneß, heute danach gefragt, einen ganz anderen personellen Lapsus nennen würde.

Beim Rekordmeister haben sie jedenfalls die Reissleine gezogen und Jay zurück nach Göppingen geschickt. Der oben erwähnte Heynckes und Hermann Gerland, ein Rheinländer und ein Westfale, sollen den bajuwarischen Karren nun aus dem Dreck ziehen. Nach der Niederlage von Wolfsburg in Cottbus keine unlösbare Aufgabe für das dynamische Duo.

Meine Prognose (ohne Blick auf das Restprogramm): Bayern wird doch noch Meister. Wer hält dagegen?

PS: Die offizielle Stellungnahme der Münchner zu Klinsis Rauswurf sieht nach einer Bearbeitung mit Wordle (tolles Tool!) gleich viel freundlicher aus:

bayern-wordle