Links KW 19 2011

Der ausgestreckte Mittelfinger (Meine Saison mit dem Fast-Absteiger)

Kneipenfick in Erkenschwick (Urban Waste)

Korruption im internationalen Fußball – „Was haben sie für mich?“ (taz.de)

Interview: Einblicke in die Arbeit eines Scouts (worum.rog)

Die Ohnmacht der Fans (5 Freunde im Abseits)

Der Fußball wird nie wieder so werden wie er noch nie gewesen ist.

Kneipenfick in Erkenschwick

Heysel: Der Song zur Katastrophe

Die englischen Anarcho-Rocker Chumbawamba dürften seit ihrem 97er Superhit „Tubthumping“ auch hierzulande ein Begriff sein. Allerdings erscheinen die vergleichsweise trivial anmutenden Lyrics („…he drinks a whisky drink, he drinks a vodka drink…“) des größten musikalischen Erfolgs doch eher untypisch für eine Band, die ihre sehr linke, antikapitalistische Haltung nie verhehlt hat.

Deutlich meinungsstärker geht es dafür im Chumbawamba-Song „Heysel Stadium“ zu, der sich wenig überraschend mit der Katastrophe in der mittlerweile König-Baudouin-Stadion genannten Spielstätte beschäftigt. Kostprobe:

And there’s a ready-made scapegoat, ready to blame
Hooligans fighting, ruining the game
Ignoring the bad planning and cramming-in of fans
Right next to each other in crumbling stands

Kann man wohl auch 26 Jahre danach so stehen lassen.

Tubthumping

Derby-Impressionen: Hertha BSC – Union Berlin

Aus Zeitmangel gibt es keinen Bericht und nur einige verspätete Fotos vom Berliner Derby-Wochenende. Schön war’s. Und wenn man bedenkt, dass ein Aufstiegsplatz kraft DFL-Statuten ja bereits fix an den VfL Bochum vergeben ist, muss das zweite auch nicht das letzte Pflichtspiel zwischen Hertha und Union gewesen sein.

2. Bundesliga, 2010/11, 21. Spieltag

Hertha BSC – 1. FC Union Berlin 1:2 (1:1)

1:0 Hubnik (13., Kopfball, Mijatovic)
1:1 Mosquera (37., Linksschuss, Stuff)
1:2 Mattuschka (71., direkter Freistoß, Rechtsschuss)

Video:

…und Fotos:










Was Fußballfans im Stadion brüllen

…und was es wirklich bedeutet:

Wir wolln euch kämpfen sehn!
Wir wolln euch gewinnen sehn!

Ars…, Wi…, Hu…sohn!
Der Spacko in uns findet das auch beim 75893. Mal noch witzig. Ernsthaft.

Meier raus! (2005)
Solange wir mit seiner Zockerei Erfolg hatten, war alles gut.

Meier raus! (2010)
Hat uns doch einfach den Poldi aufgeschwatzt. Was man mit der Ablösesumme alles hätte anstellen können…

Dühnahmöh! Dühnahmöh!
Dynamo! Dynamo!

Göttingen-Kassel-Osnabrück!
Acceptable in the 80’s.

Allez allez allez!
Schalalalalalalalaaaaaa en français.

Ihr werdet nie Deutscher Meister!
Wir können nicht bis sieben zählen,…

Scheiß Millionäre!
…siebenstellige Zahlen sind hingegen kein Problem. So viel Kohle hätten wir auch gerne.

Außer Erwin könnt ihr alle gehn!
Eigentlich spielt Erwin ja genauso scheiße wie die anderen. Aber wenigstens
[  ] brüllt er rum
[  ] meckert er mit dem Schiri
[  ] kommt er zufällig aus der Gegend
[  ] schüttelt er nach dem Spiel Hände am Zaun.

Walk on, walk on, with hope in your heart…
Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn.

Kein Zwanni für nen Steher!
Also außer bei uns jetzt.

Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz.
Wir sind absolut anspruchslos.

Es gibt nur ein Rudi Völler.
Es gibt nur ein Akkusativ.

Äff-Zeeeh-Bayern!
Gibt’s nicht. Wird nur in einem albernen Werbespot gesungen.

Kein Zwanni für nen Steher!

Also außer bei uns jetzt.

Zu Gast bei Freunden

Heute Abend um 20:30 Uhr treffen Ingolstadt und Rostock im Hinspiel der Zweitligarelegation aufeinander. Gut, dass dieser Nord-Süd-Gipfel live (ab 20:15 Uhr im NDR Fernsehen) übertragen wird. Denn sämtlichen Hansa-Fans ist nach den Ausschreitungen am vergangenen Wochenende in Düsseldorf die Auswärtsfahrt nach Bayern untersagt.

Dabei hat der deutsche Fußball in den vergangenen Wochen bereits eine bemerkenswerte Häufung von Fällen verwaister Gästeblöcke erlebt.  Auch Kölner, Dresdener und Nürnberger wurden an die Begleitung ihrer Tams gehindert. Natürlich unterscheiden sich die Gründe dafür teilweise recht deutlich, dennoch oder gerade deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob es neuerdings tatsächlich mehr Krawall in den Stadien gibt oder ob es sich bei dieser modernen Form der Sippenhaft nicht vielleicht doch eher um eine moderne Form von Aktionismus handelt.

Die Klärung dieser Problematik hätte sicher einen eigenen Artikel verdient. Kommt vielleicht noch, aber momentan bin ich von diesem ganzen Themenkomplex doch ziemlich genervt. Daher möchte ich mich in diesem Text auf einen unkommentierten Blick auf die Bedingungen für Auswärtsfahrern in anderen Fußballnationen werfen:

Italien
Nichts genaues weiß man nicht. Generell differiert die Handhabung mit personalisierten Tickets recht stark. Während bei einigen Vereinen am Spieltag gar kein Kartenverkauf mehr stattfindet, sind die Kassenhäuschen andernorts bis drei Stunden vor Spielbeginn geöffnet.  Auch der Abgleich der auf die Eintrittskarte gedruckten Daten mit den Ausweispapieren erfolgt überall mit unterschiedlicher Genauigkeit. Es gibt zwar kein generelles Verbot, gleichwol finden einzelne Spiele ohne Gäste statt. Abhängig von dem zu erwartenden Zuschaueraufkommen, Rivalität oder negativen Vorfällen in der Vergangenheit.

Schweiz
Ich empfehle einfach mal die Lektüre des Artikels „Alle Fahnen verbieten – Repressionen gegen Fans, die hier noch diskutiert werden, sind in der Schweiz längst Realität“ in 11Freunde #102 (Mai 2010). Wie man vor den eigenen Anhängern kapituliert, demonstriert eindrucksvoll der FC Zürich, der gar keine Karten für Auswärtsspiele mehr verkaufen will.

Argentinien
In der eingleisigen 2. Liga (Nacional B) und in der 3. bis 5. Spielklasse des Großraums Buenos Aires (Primera B, C und D Metropolitana) fnden ausnahmslos alle Spiele ohne Gästefans statt. In der Primera División wäre eine solche Regelung angesichts der einflussreichen Barras Bravas kaum durchsetzbar.

Griechenland
Udo Latteck hätte an Hellas seine helle Freude: Neid und Missgunst sorgen hier unter dem Deckmantel der Gewaltprävention für hundertprozentige Heimspiele. Das gilt zumindest bei direkten Duellen der großen Fünf aus dem Großraum Athen (AEK, PAO,  Olympiakos) und aus Thessaloniki (Aris, PAOK). Kurioserweise sind hier nicht Verband oder Politik, sondern die Vereine selbst verantwortlich. Verweigert also beispielsweise AEK für das Derby gegen Olympiakos die Zuteilung eines Auswärtskontingents, findet das Rückspiel wenig überraschend auch ohne Gäste statt. Diese Praxis beschränkt sich übrigens nicht nur auf den Fußball-Sport. Auch bei Risikospielen in anderen populären Sportarten sind in aller Regel keine Auswärtsfans zugelassen.

Mazedonien

Ein allgemeines Gästeverbot, das im im August 2009 erlassen wurde, ist zu Beginn der Rückrunde wieder aufgehoben worden.

Niederlande

In den Niederlanden werden Gästefans in Zukunft von Risikospielen ausgeschlossen. […] Als Vorbild sollen die Sicherheitsvorkehrungen beim brisanten Duell Feyenoord Rotterdam gegen Ajax Amsterdam dienen. Die beiden Spitzenvereine verkaufen für diese Spiele seit 2009 keine Karten an die jeweiligen Auswärtsfans.

Bislang wurde bei als riskant eingestuften Begegnungen der Erwerb von Auswärtstickets an die Teilnahme an einer organisierten Busfahrt geknüpft, um die Schlachtenbummler jeweils direkt vor den Gästesektor karren zu können. Umlandfans u. ä. bleiben bei diesem Konzept natürlich auf der Strecke.

Frankreich
Paris Saint Germain beschloss im März, seinen eigenen Fans keine Eintrittskarten für die verbleibenden Auswärtspartien der laufenden Saison zu verkaufen. Diese Entscheidung ist eine Folge gewalttätiger Auseinandersetzungen beim Spiel gegen Olympique Marseille, durch die ein Anhänger ums Leben kam.

Belgien
Bei Risikospielen gilt eine Kombi-Regelung analog zu den Niederlanden.

Die Sogenannten

Disclaimer: Dieser Text stammt aus der Feder eines Fußballfans, der Hertha BSC in etwa so viele Sympathien entgegenbringt wie einer hartnäckigen Grippe, Rosinen oder dem Deutschland aus „Deutschland sucht den Superstar“.

Es wurde viel gesagt und geschrieben, über die rund 100 Hertha-Anhänger, die gestern unerlaubt den Innenraum des Olympiastadions betreten haben. Ja, diese Reaktion mag zu weit gegangen sein. Vielleicht wurde dadurch dem Verein geschadet und ganz sicher wird der Platzsturm noch Konsequenzen nach sich ziehen. Doch eins, das sind diese Menschen ganz bestimmt nicht: Sogenannte „Fans“.

Ein großes Online-Lexikon definiert den Fan-Begriff jedenfalls folgendermaßen:

Ein Fan [fɛn] (englisch fan [fæn], von fanatic „Fanatiker“) ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem […] Fanobjekt hat […]

Richtig gelesen, Fanatiker. Wird also höchste Zeit, dass sich diese sogenannten „Journalisten“ neue Gemeinplätze einfallen lassen.