Interview – Fortuna-Blogger Dirk über das Ausweichstadion: „Ich freu mich auf den ‚Hexenkessel'“

Am 14. Mai wird sich Lena Meyer-Landrut an der Titelverteidigung beim Eurovision Song Contest (ESC) in der Düsseldorfer Esprit-Arena versuchen. Zweitligist Fortuna Düsseldorf muss daher für drei Spiele in ein eigens dafür errichtetes Stahlrohrstadion (>> Vor-Ort-Bericht und Fotogalerie) ausweichen.

In den Kommentarspalten lokaler Medien wird der 2,8 Millionen Euro teure Umzug durchaus kontrovers diskutiert. Doch wie sieht die Stimmung innerhalb der Fanszene aus? Wir sprachen mit Fortuna-Fan Dirk, Betreiber des bekannten Blogs „1895mythos„.

Hallo Dirk, toll, dass Du spontan für dieses Gespräch zur Verfügung stehst. Vielleicht zum Anfang kurz was zu Deiner Person: Wie lange bist Du schon Fortuna-Fan und wie sieht in etwa Dein Fußball-Konsum aus?

Ich bin seit 25 Jahren Fortuna-Fan, habe eine Dauerkarte und bis letztes Jahr dort nebenbei gearbeitet. Wenn möglich fahre ich auch zu Auswärtsspielen, was aber in letzter Zeit weniger geworden ist.

Kannst Du mir was über die aktuelle Stimmungslage sagen – wie steht die Fangemeinde unabhängig von Fortuna zu der Tatsache, dass der ESC in Düsseldorf stattfindet?

Das allgemeine Feedback sieht recht positiv aus. Natürlich gibt es immer Nörgler, aber der Großteil findet es gut. Es ist für Düsseldorf ein Imagegewinn und Fortuna entstehen dadurch keine finanziellen Nachteile. Gut ist auch, dass es in dieser Saison um nichts mehr gut. sonst würde die Stimmung eventuell anders aussehen

Und speziell auf den Umzug für drei Spiele bezogen?

Dadurch, dass das mobile Stadion direkt neben der Arena steht, wird die Situation recht entspannt angesehen. Die Aufteilung der Blöcke ist seitens Fortuna schon erfolgt und es wurde alles getan, um die Wünsche der Fans umzusetzen.

Die Kapazität (20.168) liegt allerdings unter Fortunas bisherigem Zuschauerschnitt (21.570) und die Gästeteams werden ihre Kontingente sicher auch vollständig in Anspruch nehmen. Könnte das ein Problem werden?

Das habe ich anfangs auch gedacht, aber da es um nichts mehr geht, werden von Fortuna-Seite hier keine Probleme entstehen. Mit Aachen, Bielefeld und Union kommen Mannschaften, die ebenfalls keine Ziele mehr haben. Arminia ist abgestiegen, Aachen und Union stehen im Mittelfeld. Aber natürlich hast du recht, dass das Stadion immer ausverkauft sein wird. Da werden die meisten Fans, die nur hin und wieder ins Stadion kommen, wohl keine Karten bekommen. Alle Dauerkarten-Inhaber haben ihre Tickets allerdings sicher.

Fortunas Tabellenposition im gesicherten Mittelfeld ist so gesehen also ein Glücksfall für die Verantwortlichen.

Absolut! Stell Dir doch mal vor, wir würden gegen den Abstieg oder um den Aufstieg spielen. Sollte dann irgendwas in die Hose gehen, möchte ich nicht wissen, welche Wellen das schlüge. Ein Punkt muss aber auch erwähnt werden: Der Umzug ins Paul-Janes-Stadion hätte große Sicherheitsrisiken aufgeworfen. Gerade mit den Fans von Union gab es letzte Saison großen Ärger. Schon allein deshalb wurde im Fanlager die Lösung mit einem mobilen Stadion an der Arena wohlwollend aufgenommen.

Stand denn ein Umzug ins Paul-Janes-Stadion ernsthaft zur Debatte?

Ja, das war die erste Option von Stadt, ESC-Planern und Fortuna. Das Paul-Janes-Stadion sollte instand gesetzt werden. Ausschlaggebend für die Entscheidung dagegen waren in erster Linie die fehlende Infrastruktur – Stichworte: Parkplätze, VIP-Bereich, Fan-Trennung – und die Sicherheitsbedenken der Polizei

Gibt es auch Fans, die lieber in einer anderen Stadt gespielt hätten? Alternativen wären mit Krefeld, Mönchengladbach, Leverkusen oder Köln ja durchaus vorhanden.

Nicht wirklich. Über Leverkusen wurde diskutiert und man munkelte, dass es bereits Gespräche mit Bochum gegeben hatte. Aber die Fangemeinde wollte natürlich einen Verbleib in Düsseldorf, die Entscheidung wurde dann auch gut aufgenommen. Köln und Gladbach wären nie eine Option gewesen. Dort wäre das Sicherheitsrisiko noch viel höher.

Letzte Frage: Dein persönliches Fazit bezüglich der ganzen Thematik fällt also auch eher positiv aus?

Man muss es nehmen wie es kommt. Aufgrund der aktuellen Tabellensituation sehe ich das alles recht entspannt. Da der ESC in meinen Augen ein absolutes Highlight für die Stadt Düsseldorf darstellt, fand ich die Planung gut, hier wurde wirklich konstruktiv für alle Seiten die beste Lösung gesucht und in meinen Augen auch gefunden. Ich freu mich auf den „Hexenkessel“. Um erste Eindrücke zu gewinnen, werde ich am 26. März auch das U17-Länderspiel Deutschland – Ukraine besuchen.

Vielen Dank.

Taken by a Stranger: Lena schickt Fortuna ins Ausweich-Stadion (+Fotos)

Düsseldorf hat den Aschermittwoch-Blues. Es nieselt, dunkle Wolken schweben bedrohlich über der Stadt und zwingen die Autofahrer bereits am frühen Nachmittag zur Benutzung des Abblendlichts. Gegen 16 Uhr werkeln nur noch wenige Arbeiter auf der bekanntesten Baustelle Fußballdeutschlands.

Durch Lena Meyer-Landruts Titelverteidigung beim Eurovision Song Contest ist die angestammte Heimat des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf sechs Wochen lang belegt. Zwar wären in Krefeld, Leverkusen oder Mönchengladbach bundesligaerprobte und gut zu erreichende Alternativspielorte vorhanden, doch Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) hat Fortunas Verbleib in der Landeshauptstadt zur Chefsache erklärt. In Sichtweite der Esprit-Arena entsteht daher momentan ein temporäres Stadion mit rund 20 000 Zuschauerplätzen.

Es ist gar nicht so einfach, sich auf dem Messegelände im Nordwesten der Landeshauptstadt zu orientieren. Im Gewirr von Parkplätzen, Zäunen und Hinweisschildern gelingt die Suche nach der Baustelleneinfahrt nicht auf Anhieb. Einmal dort angekommen, steigt einem sofort der intensive Duft von Rindenmulch in die Nase. Großzügig ausgelegt soll dieser den Bauschutt kaschieren. Der Rollrasen wurde noch nicht verlegt, dafür sind die vier überdachten Tribünen bereits unfallfrei begehbar. Keine Frage, der ungewöhnliche und 2,8 Millionen Euro teure Spielort wird bis zu seinem ersten Zweitliga-Einsatz am 15. April auf jeden Fall fertig.

„Lena-Arena“ lautet der passende Arbeitstitel des noch namenlosen Stadions. Denn Gemeinsamkeiten zwischen Bardin und Sportplatz sind durchaus vorhanden: Beide sind neu, auf eine gewisse Weise frech, taugen für einen veritablen Hype, lassen aber gleichzeitig Substanz vermissen und werden bald schon wieder vergessen sein – lediglich drei Profi-Partien werden inmitten der gewagt anmutenden Stahlrohrkonstruktion ausgespielt.

Das flüchtige Just-in-time-Stadion als architektonisches Chiffre der Wegwerfgesellschaft? Oder erleben wir hier nicht weniger als die Zukunft des Sportstättenbaus? Bitte entscheiden Sie selbst:

Fotogalerie:

Termine:

U-17-Länderspiel, 26.05.11, 15:00 Uhr: Deutschland – Ukraine
30. Spieltag, 15.04.11, 18:00 Uhr: Fortuna Düsseldorf – Union Berlin
31. Spieltag, 24.04.11, 13:30 Uhr: Fortuna Düsseldorf – Arminia Bielefeld
33. Spieltag, 08.05.11, 13:30 Uhr: Fortuna Düsseldorf – Alemannia Aachen

Unser Star für Bærum

Endlich! Morgen ist Eurovision Song Contest. Wird auch langsam Zeit, dass Lena Meyer-Landrut (fortan LML abgekürzt) ihren „Love Olaf“ in die Rente schickt. Doch der Wettbewerb formerly known as „Grand Prix De La Chanson“ wird nicht – wie überall zu lesen ist – in Oslo stattfinden, sondern im Nobel-Vorort Bærum. Genauer gesagt auf der Halbinsel Fornebu. Noch genauer gesagt in der dortigen Mehrzweckhalle, normalerweise Austragungsort für Erstligafußball.

Hausherr Stabæk IF ist damit (meines Wissens) der einzige Profiverein in Europa, der in einem komplett geschlossenen Bauwerk um Punkte spielt. Die einzige Meisterschaft der Vereinsgeschichte wurde 2008 aber noch im alten Stadion Nadderud errungen. In der laufenden Saison belegt Stabæk den 7. Rang der Tabelle. Möglichkeit zur Aufholjagd bietet sich am Grandprix-Wochenende allerdings nicht – die Liga pausiert. Ob das extra für LML geschieht, entzieht sich meiner Kenntnis.

Eine Prognose für den Wettbewerb gestaltet sich schwierig. Die englischen Buchmacher™ favorisieren den Vertreter Molwaniens. Der einbeinige Transvestit „Д“ geht mit einem betont jazzigen Scooter-Cover an den Start. Und LML? Die 19-Jährige stammt bekanntermaßen aus der hippen Fußballmetropole Hannover. Platz 15 sollte also drin sein.