Eine Arena mit Esprit

Statt als flugzeughangarähnliches Etwas könnte sich das ehemalige Düsseldorfer Rheinstadion heute auch als zeitgemäße Leichtathletikarena präsentieren. Wenn, ja wenn diese Machbarkeitsstudie von 1998 eines Krefelder Architekturbüros in die Realität umgesetzt worden wäre. Die „vorhandene charakteristische Pylonstruktur“, die dem Rheinstadion „etwas Majestätisches“ verlieh, hätte so erhalten werden können.

Neben ästhetischen gibt es natürlich auch ganz praktische Gründe, die für den Verbleib der Laufbahn sprächen. Platzsturm-Witze bitte im Bedarfsfall selbstständig bei twitter nachlesen.

Fotos: Paul-Janes-Stadion / Flinger Broich, Fortuna Düsseldorf II

Paul-Janes-Stadion, Düsseldorf

Adresse: Flinger Broich 87, 40235 Düsseldorf
Heimatverein: Fortuna Düsseldorf II
Kapazität: 7.200 (2.280 überdachte Sitzplätze)
Zuschauerrekord: 36.000 (1950, Oberliga West: Fortuna Düsseldorf – FC Schalke 04 2:3)
Erbaut: 1930
Renovierungen: 1970, 2002

Bis 1990 hieß das Stadion „Fortunaplatz“ bzw. „Flinger Broich“, ehe es 1990 nach dem früheren Düsseldorfer Nationalspieler Paul Janes benannt wurde. Die erste Mannschaft der Fortuna war hier von 1930 bis 1972 und von 2002 bis 2005 zu Hause.

Fotogalerie (Bilder durch Anklicken vergrößern):

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Die Nr. 2 der Stadt

Nachdem wir uns spätestens gestern gedanklich in die Winterpause verabschiedet haben, ist es mal wieder an der Zeit für eine kleine Statistikspielerei. Einfache Frage: Auf welchem Niveau kicken eigentlich die am zweithöchsten klassierten Vereine der 20 größten Städte Deutschlands?

Einfache Antwort:

Rang Stadt Level Verein(e) Einwohner
1. Frankfurt/Main II Eintracht Frankfurt; FSV Frankfurt 679.664
2. München II TSV 1860 München 1.353.186
3. Hamburg II FC St. Pauli 1.786.448
4. Berlin II 1. FC Union Berlin 3.460.725
5. Stuttgart IV Stuttgarter Kickers 606.588
6. Köln IV Fortuna Köln 1.007.119
7. Mannheim V VfR Mannheim 313.174
8. Bielefeld V TuS Dornberg 323.270
9. Duisburg V VfB Homberg 489.599
10. Leipzig V 1. FC Lok Leipzig 522.883
11. Bremen V die meisten Vereine der Bremen-Liga 547.340
12. Essen V ETB Schwarz-Weiß 574.635
13. Bochum VI SG Wattenscheid 09; DJK TuS Hordel 374.737
14. Nürnberg VI Dergah Spor Nürnberg 505.664
15. Hannover VI mehrere Vereine der Landesliga Hannover 522.686
16. Dortmund VI mehrere Vereine in der Verbandsliga Westfalen II 580.444
17. Düsseldorf VI TuRu Düsseldorf 588.735
18. Bonn VII Bonner SC; DJK BW Friesdorf; 1. SF Brüser Berg 324.899
19. Wuppertal VII mehrere Vereine in der Landesliga Gruppe 1 349.721
20. Dresden* VII FV Dresden 06 Laubegast, SG Weixdorf, Post SV Dresden 523.058

*Der eigentlich in der fünftklassigen Oberliga Nordost-Süd aktive SC Borea Dresden hat seine Mannschaft kurz nach Saisonbeginn zurückgezogen.

Bei der Sortierung der Liste wurde bei gleichem Level die kleinere Stadt besser platziert. Den Vogel abgeschossen hat mal wieder die ehemalige Hauptstadt Bonn, wo selbst der beste Verein der Stadt nicht über einen Mittelfeldplatz in der 7. Liga hinaus kommt. Aber auch so manche als Fußballhochburg geltende Ortschaft hat neben dem sportlichen Aushängeschild augenscheinlich nicht viel zu bieten.

Sonntagsschuss: Concrete Monster

Aus einer Zeit, als die Fassaden von Fußballstadien noch nicht mit jedem Quadratzentimeter „Saubere Unterhaltung für die ganze Familie“ geschrien haben.

Wer dieses Betonmonster erkennt, dem spendier‘ ich außerdem ein Spezi (ohne Eis).

Stein um Stein

Warum das Bauland auf dem Gelände des 2006 abgerissenen Bökelbergstadions ein Ladenhüter ist (bzw. war)? Ganz einfach:

Wieso es mit dem Verkauf nicht klappt, darüber rätselt man bei der Stadt. Dabei sind sich Fachleute einig: Die wahren Fans, denen der Mythos Bökelberg etwas bedeutet, die gerne ihr Haus am Elfmeterpunkt bauen würden, können sich die Preise nicht leisten. Und die, die es sich leisten können, ziehen lieber in ein Gebiet, das bereits voll erschlossen ist. „Oder gleich nach Düsseldorf„, wie ein Gladbacher Architekt süffisant bemerkt.

Wenn nur alles im Leben so nachvollziehbar zu erklären wäre. Mittlerweile soll sich die Nachfrage nach Bökelberg-Grundstücken allerdings deutlich erhöht haben.

Grundlos Glücklich? Raúls Wechsel zu Schalke

16 Profijahre hat er beim berühmtesten Fußballverein der Welt verbracht. Sechs spanische Meisterschaften und drei mal die Champions League gewonnen. Im Juli tauschte Raúl das Trikot der Königlichen gegen das königsblaue Dress des FC Schalke. Auf der Suche nach den Gründen für den spektakulärsten Bundesliga-Transfer dieses Sommers.

Überalterung, Armut, Arbeitslosigkeit – Gelsenkirchens Image ist mit „schlecht“ noch wohlwollend umschrieben. Und tatsächlich ist es nicht schwer, diese Klischees vor Ort bestätigt zu bekommen. Wer sich über die Kurt-Schumacher-Straße dem Vereinsgelände von S04 nähert, kann viele Probleme des Ruhrgebiets in komprimierter Form erleben. Eine furchtbar schmucklose Nachkriegsarchitektur bestimmt die Szenerie, zahlreiche Ladenlokale stehen leer und vom eintönige Grau der abgasgegärbten Fassaden können noch nicht einmal die berühmt-berüchtigten „Fensterrentner“ ablenken.

Zehn nationale und sechs internationale Titel, 44 Treffer in 102 Länderspielen, bester Torschütze in der ruhmreichen Geschichte des spanischen Rekordmeisters – Raúl und Real, das war immer ganz oben. Was verschlägt einen wie ihn in den Kohlenpott?

Ein Montagnachmittag Ende November. Es ist nicht übermäßig kalt, Windböen und gelegentlicher Nieselregen machen den Aufenthalt im Freien dennoch zu einem ungemütlichen Erlebnis. Das öffentliche Training der Profimannschaft des FC Schalke 04 beginnt um 16 Uhr, die Dämmerung hat bereits eingesetzt. Etwa 200 bis 250 Zuschauer trotzen den widrigen Umständen und werden von den Ausdünstungen einer mobilen Frittenbude betört.

Die Erwartungen des Vereins an Raúl sind klar: Er soll als Führungspersönlichkeit auftreten, seine Erfahrung ist insbesondere in der Champions League gefragt. Felix Magath hat aus seiner Bewunderung für den „Ausnahme-Fußballer und Weltklasse-Torjäger“ sowieso nie einen Hehl gemacht. Und auch nach Eingewöhnungs-Schwierigkeiten stets an seinem Wunscheinkauf festgehalten. Dieser hat seine Stammplatzgarantie jüngst durch den Dreierpack beim 4:0 gegen Werder Bremen eindrucksvoll gerechtfertigt.

Das Training leitet Magath sichtlich gut gelaunt. Seine Anweisungen beschränken sich dennoch auf das Nötigste. „Jetzt Fünf gegen Zwei“. Ein Klassiker, den jeder Fußballspieler auf diesem Planeten kennt. Das Übersetzen für die spanischsprachigen Spieler kann sich Christoph Metzelder sparen. Mit ihm und Sturmpartner Klaas-Jan Huntelaar hat Raúl bereits in Madrid zusammengespielt, die jungen Landsleute José Manuel Jurado und Sergio Escudero komplettieren die kleine iberische Kolonie.

Vom us-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Business Week wurde Gelsenkirchen einmal das Prädikat „schlimmste Kommune Deutschlands“ verliehen. Doch das ist – wenn überhaupt – nur die halbe Wahrheit. „Fußballverrückteste Stadt Deutschlands“ wäre genauso zutreffend. Die Fahnen-Pro-Fenster-Dichte ist wohl nirgendwo sonst so hoch wie hier, gleiches gilt für den Hunger nach Erfolg: Die über 60 000 Zuschauer fassende Arena ist fast immer ausverkauft.

Vom fußballgeprägten Alltagsleben der Gelsenkirchener dürfte Raúl allerdings herzlich wenig mitbekommen. Wohnt er mit seiner Familie doch im Düsseldorfer Zooviertel, Tür an Tür mit dem Geldadel der Landeshauptstadt. Exklusiver kann man auch in Madrid nicht residieren. Und besser ist das Wetter im November dort auch nicht unbedingt.

Ist es nun die Wertschätzung durch Trainer, Verein und Fans, die Raúl den Wechsel zu Schalke schmackhaft gemacht habe? Die Nestwärme der spanischen Mitspieler? Die Herausforderung, sich noch einmal in einer ausländischen Liga beweisen zu müssen?

Zeit, ihn einfach mal selbst zu fragen. Leichter gesagt als getan. Nach Trainingsende stürzt sich alles auf den 33-Jährigen. Mütter fotografieren ihre Söhne mit Raúl, Söhne fotografieren ihre Mütter mit Raúl. Señor, eine Frage vielleicht, auf Englisch? „Sorry“, meint Raúl González Blanco und deutet mit einem entwaffnenden Lausbubengrinsen auf die ihn umringende Traube von jugendlichen Autogrammjägern. Doch egal wie seine Antwort auch ausgefallen wäre – seine Entscheidung hat der Weltstar in Gelsenkirchen offensichtlich nicht bereut.

Live-Bericht: Fortuna Düsseldorf – Rot-Weiss Essen | letztes Spiel im Rheinstadion

Aus unserem Archiv:

Regionalliga Nord – 01/02
Fortuna Düsseldorf – Rot-Weiss Essen
1:1 (0:0)
03.03.02, Rheinstadion (Düsseldorf)
21.000 Zuschauer (ca. 4.000 Gäste)

Das allerletzte Spiel im Düsseldorfer Rheinstadion, da musste ich natürlich auch dabei sein. Vor dem Match wurde mit Hilfe von Plakaten und Flyern heftig Werbung gemacht. Ausserdem gab es zum ersten mal seit einigen Jahren in Düsseldorf einen organisierten Vorverkauf, der mit allerlei Sonderaktionen die Zuschermassen locken sollte. Im Endeffekt wurden die angestrebten 25.000 nicht ganz erreicht, 21.000 Menschen sind aber natürlich trotzdem eine beachtliche Menge für ein Spiel in der 3. Liga.

Für das Intro hatten beide Parteien einiges vorbereitet. Schon einige Minuten vor Anpfiff rauchte es an allen Ecken und Enden im Stadion. Beim Einlauf der Gladiatoren brannten die Fortunen eine beachtliche Anzahl bengalischer Feuer ab, teils genehmigt teils reingeschmuggelt. Auch die RWE-Fans haben ganz gut gezündelt. Derartig viel Pyroeinsatz hat man wohl seit einigen Jahren nicht mehr in einem deutschen Stadion gesehen.

Ganz witzig anzuschauen war auch ein Rollifahrer, der vor und nach dem Spiel seine ganz eigene Show mit rotem Rauch zelebrierte. Ansonsten wurden natürlich noch jede Menge Spruchbänder präsentiert, so wie sich das für so ein Ereignis auch gehört.

Das Spiel hielt dann nicht ganz die Erwartungen – wie so oft, wenn vorher ein viel darüber geredet wurde. Das 1:1 war leistungsgerecht, mit einem Punkt kann Essen aber wohl um einiges besser leben als Fortuna.

Teilweise war es sehr laut im Stadion, manchmal konnte man allerdings auch eine Stecknadel fallen hören. Beeindruckend waren aber auf jeden Fall die „FOR-TU-NA“-Sprechchöre, wenn die nahezu vollbesetzte Gegengerade miteinstimmte. Da die RWE-Fans ebenfalls nur streckenweise zu vernehmen waren, endete auch der Sangeswettstreit wahrscheinlich mit einem Unentschieden.

Nach Abpfiff versorgten sich noch etliche Fans mit Souvenirs in Form von Metallschildern. Das rief einen aufgebrachten (und etwas übermotivierten) Ordner auf den Plan. Er wollte den Vandalen verdeutlichen, dass das „eine Riesensauerei“ wäre, „noch fünf Spiele von Rheinfire“, und überhaupt. Eierwerfen braucht kein Mensch!