Kombinat Ablieferungssoll

Mal angenommen, es existierte ein Mannschaftsport, bei der die Anzahl geschossener Tore über das Ergebnis entscheidet. Nicht besonders oft – durchschnittlich in etwa jeder vierten Partie – sei eine spezielle Spielsituation zu beobachten, die in 75% aller Fälle zu einem unmittelbaren Treffer führt, von deren Sorte jedes Team aber durchschnittlich nur 1,5 pro Spiel erzielt.

Niemand würde auf die Idee kommen, diese seltene und gleichermaßen erfolgsversprechende Chance als Standard, also als „Norm“ oder „weithin Verbreitetes“, zu bezeichnen. Es sei denn, man lebt in einer Region, die bereits durch ihr technokratisches Alltagsvokabular signalisiert, dass dort die Lust auf Sprache eher so mittel ausgeprägt ist. Allgemeines Warenverzeichnis, Betriebssportgemeinschaften, Jahresendprämie.

Ei verbibbsch! Die Standardsituation ist eine waschechte DDR-Erfindung und machte erst in den 80ern in den Wortschatz bundesdeutscher Trainer und Kommentatoren rüber (zumindest, wenn man Wikipedia Glauben schenkt).

So oder so: Es wird Zeit für eine, besser gleich mehrere neue Begrifflichkeiten. Schließlich sind neben Elfmetern auch Freistöße in ihrer Unendlichkeit an möglichen Positionen alles andere als Standard.

Vorschläge?

Nolympia

Nolympia für Brasilien

Sie haben scheinbar alles gewonnen, was es im Weltfußball zu gewinnen gibt: Fünf Weltmeisterschaften, acht Copa Americas und dreimal die Schwiegermutter aller Titel, den Konföderationen-Pokal. Um auch noch mit den Triumphen im Juniorenbereich zu protzen, reicht der Platz auf dem Briefkopf der Confederação Brasileira de Futebol (CBF) vermutlich gar nicht aus.

Doch selbst dem prächtig bestückten CBF-Museum in São Paulo fehlt noch das eine oder andere wichtige Exponat. Zum Beispiel eine güldene Medaille mit fünf eingravierten Ringen. Das ist angesichts der Flut an sonstigen Erfolgen sicher nur schwer zu glauben, aber es stimmt tatsächlich: Brasilien hat niemals olympisches Gold im Fußball geholt. Weder in schwarz-weißer Vorzeit noch in modernen Hochleistungs-Epochen. Nie, never, nunca.

Für elf der 24 bislang ausgetragenen Turniere hat sich die Seleção qualifiziert und dabei je zwei silberne (1984 und 1988) und bronzene Trostpreise (1996 und 2008) errungen. Damit liegt Brasilien im Medaillenspiegel auf einem unwürdigen 19. Platz, hinter Fußballgroßmächten wie Kanada – ja, Kanada! – oder nicht mehr existierenden Staaten wie der DDR.

Von Platz eins dieses Rankings wird übrigens in ungarisch gegrüßt. Womit wir auch schon beim Thema „Stellenwert des olympischen Fußballturniers“ wären. Es ist anzunehmen, dass die magyarischen Sportfreunde liebend gerne sämtliches olympisches Edelmetall gegen einen einzigen brasilianischen WM-Erfolg eintauschen würden. Vielleicht gäben sie sich sogar mit besserem Wetter am 4. Juli 1954 zufrieden.