EM 2012: Analogblog Dänemark – Portugal 2:3

 

Michael Laudrup: Knight Moves

Nachdem wir hier vor kurzem Lobeshymnen auf Brian Laudrup gesungen haben, ist heute sein großer Bruder Michael an der Reihe. Schließlich konnte dieser wie vermutlich kein anderer Spieler der Fußballneuzeit Laufwege und Feldpositionen antizipieren und so Freiräume bereits vor ihrer Entstehung erkennen. Vergleiche mit Schachgroßmeistern drängen sich auf, aber natürlich muss man zusätzlich auch ein gehöriges Maß an Technik und Athletik besitzen, um seinen Mitspielern die Kugel punktgenau in eben jene Räume servieren zu können. Michael Laudrup besaß beides.

Kein Wunder, dass der Mann Erfolge wie am Fließband sammelte. In gleich vier großen europäischen Ligen konnte er den Meistertitel erringen und wurde offiziell zum besten dänischen Spieler aller Zeiten gekührt. Wo viel Licht ist, muss auch ein klein wenig Schatten fallen: Am größten Erfolg in der Fußballgeschichte seines Heimatlandes war Michael Laudrup nicht beteiligt, da er sich zuvor mit Nationaltrainer Richard Møller Nielsen überworfen hatte.

Zum Abschluss und als Beweis für seine Klasse gibt es dieses Youtube-Video, das nicht wie sonst üblich die schönsten Treffer eines Offensivspielers zeigt, sondern als Abriss seiner einzigartigen Fähigkeiten im Passspiel daherkommt:

Mein Lieblingsspieler: Grotenburg’s Finest

Wenn fußballaffine Menschen zwischen „Spielerlegende“ und „Wien“ einen Zusammenhang konstruieren sollen, kommen den meisten schnell die üblichen Verdächtigen in den Sinn: Sindelaar, Binder, Hanappi, Krankl.

Weniger bekannt sein dürfte hingegen, dass die beiden Erstgenannten gar nicht in dieser wunderschönen Stadt geboren wurden, dafür aber einer der Europameister von 1992. Einfacher Grund: Sein Vater verdiente Ende der 60er als Profi beim Wiener Sportclub seine Brötchen.

Aufgewachsen ist das Fußballtalent dann allerdings in der dänischen Familienheimat. Und auch wenn er während seiner gesamten Karriere immer ein wenig im Schatten seines nicht minder begabten großen Bruders stand zockte – mein Lieblingsspieler heißt Brian Laudrup.

Erstmals aufgefallen ist mir der damals 20-Jährige fast zwangsläufig durch seinen Wechsel in die Bundesliga zu Bayer Uerdingen. Obwohl er nur eine Saison für den Werksclub bestritt, darf er wohl mit Fug und Recht als bester Kicker bezeichnet werden, der je das rot-blaue Jersey der Krefelder überstreifte. Trotz Ailton.

Mit einem Körperschwerpunkt, der stets unterhalb der Grasnarbe zu liegen schien, dribbelte, doppelpasste, trickste und täuschte sich der Edeltechniker nicht nur in die Herzen vieler Fans, sondern auch auf den Einkaufszettel von Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Nach zwei Jahren beim Rekordmeister folgte ein Intermezzo im einstigen Profitraumland Italien. Seine mit Abstand erfolgreichste Zeit erlebte der gereifte Brian dann allerdings in Glasgow bei den Rangers. Und auch wenn es großteils internetlosen 90ern nicht so ganz einfach war, in Sachen Laudrup auf dem Laufenden zu bleiben, schwappte via LaOla doch das eine oder andere Bewegtbild nach Deutschland.

Natürlich war da auch noch die dänische Nationalmannschaft, mit der Brian Laudrup in Schweden sensationell die Europameisterschaft holte. Sein Mitwirken an einem der besten WM-Spiele überhaupt samt formvollendetem Torjubel wurde hier im Blog ja schon ausgiebig gewürdigt.

Noch ein wenig Trivia: Garbage-Sängerin Shirley Manson war so in Brian Laudrup vernarrt, dass sie die Wahl ihres favorisierten Teams zweitweilig von der Karriereplanung des mit 1,86 m erstaunlich großen Dänen abhängig machte. Verrückt? Vielleicht. Wer sich dieses Video zu Gemüte führt, wird sie (und mich) aber sicherlich verstehen.

Im September 2010 gab Brian Laudrup bekannt, an Lymphknotenkrebs zu leiden. Stadioncheck.de wünscht an dieser Stelle viel Kraft beim Kampf gegen diese furchtbare Krankheit. Du schaffst das.

Dieser Text erscheint in der Reihe „Mein Lieblingsspieler“, welche von Sidan auf el-futbol.de initiiert wurde.

Liegen lernen

Der Siedepunkt im zweitbesten WM-Spiel der Fußballneuzeit: Martin Jørgensen bleibt hängen, das Spielgerät springt willkürlich, Roberto Carlos helikoptert unwillkürlich durch den Strafraum, Cláudio Taffarel ist chancenlos.

Und was macht der Hauptdarsteller, der Dribbelkünstler mit dem langen Oberkörper und dem tiefen Schwerpunkt? Legt sich hin. Legt sich einfach nur hin, kühl bis ans Herz. You can do everything… but do it in style.

Video auf Youtube