Random Fact: Gründerjahre sind (keine?) Herrenjahre

Ich weiß nicht, ob sie etwas aussagt, und wenn ja, was – als interessante Randerscheinung taugt folgende Beobachtung meiner Meinung nach allemal:

Alle 14 Teams die in der ersten Bundesligasaison die Klasse gehalten haben, spielen auch in der kommenden Spielzeit in der (1. und 2.) Bundesliga. Die beiden damaligen Absteiger, 1. FC Saarbrücken und Preußen Münster, werden in der ebenfalls eingleisigen 3. Liga antreten.

Während es Letztgenannte in jüngerer Vergangenheit bis in die Niederungen der vierten (Münster) und fünften (Saarbrücken) Spielklasse verschlagen hatte, haben sich die ersten 14 „Überlebenden“ durch die Bank mindestens auf Level drei gehalten.

In Frankfurt könnte sich nun zu Aidas Triumphmarsch eine Herrenrunde „Genau die Richtigen ausgewählt“-gröhlend auf die welken Schenkel klopfen. In Pirmasens, Aachen oder Offenbach hingegen mehr denn je die Ansicht vertreten werden, bei der Auswahl der 16 Debütanten nicht nur übergangen, sondern auch dauerhaft benachteiligt worden zu sein.

Derweil hat die dem Rekordmeister anhängende Leserschaft vermutlich schon ihr grausigtes Miasanmia-Grinsen aufgesetzt. Aber, hey, so eine bestätigende Ausnahme hat doch noch keiner Verschwörungstheorie geschadet.

Meine 14 für die DEL

Eishockey, DEL

Fußball hatten wir ja neulich schon, jetzt gibt es das heitere Liga-Wunschkonzert auch beim Eishockey. Doch im Gegensatz zu der des Initiators hat meine Wunschliga nur zwölf statt 14 Teams und hört auf den Namen Bundesliga. Und Langweiler-Franchise-Gedöns wie Oberhausen ist natürlich auch nicht dabei. Sodele:

SERC
Klar.

Düsseldorfer EG
Aber nur in an der Brehmstraße.

Kölner Haie
Wurden irgendwann mal 7:0 aus dem Stadion geschossen.

DJK Sportbund Rosenheim
Schon allein wegen der legendären Play-Off-Serie in der Saison 94/95.

BSC Preussen
Jahn Chabot und Klausi Merk.

EV Landshut
Eine Auswärtsfahrt mit Unmengen Bier und der vermutlich besten Schwenninger Mannschaft so far.

Eisbären Berlin
Früher Angstgegner.

Frankfurt Lions
Die Halle gefiel.

EHC Freiburg
Der Lokalrivalität wegen, die ich allerdings nie erlebt habe.

Krefelder EV
Karel Lang.

EC Ratingen
Wegen Carsten Solbach und seiner Maske mit Fortuna-Düsseldorf-Aufkleber.

Mannheimer ERC
Muss ja auch was zum Scheißefinden dabei sein.

Hertha BSC: Bayern München verliert Status als östlichster Erstligist

Dieter Hoeneß, die offen zur Schau gestellte Gesinnung einer Vielzahl Deiner Anhänger, Basti Fantasti, Europapokalspiele gegen attraktive Gegner vor leeren Rängen, „Play Berlin“ und Alex Alves im weißen Pelzmantel – ja Hertha, Anfang dieses Jahrtausends hast Du ein geradezu bemitleidenswertes Bild abgegeben. Wie ein völlig außer Kontrolle geratenes Marketing-Planspiel an der Rütli-Schule.

Den Abstieg haben Dir deshalb viele gegönnt. Ich gehörte dazu.

Jetzt hast Du Dich also wieder zurück ins Oberhaus geschleppt und die Paderboringness der 2. Liga hinter Dir gelassen. Nach einem Jahr mit guten Zuschauerzahlen gegen oft unattraktive Gegner. Obwohl Du auf halber Treppe etwas geschwächelt und von Union im Derby einen Denkzettel verpasst bekommen hast.

Herzlichen Glückwunsch und willkommen zurück, liebe Hertha! Die Zweitliga-Narben stehen Dir, glaube ich, ganz gut.

„Hans Krankl, sogn’s irgendwos“

Wer im Baden-Württemberg der 1980er-Jahre aufwuchs, tat dies zusammen mit der Mini-ZiB, Petzi, Helmi und natürlich mit Enrico und den anderen Knalltüten von Am dam des. Nur Bahnhof verstanden? Macht nix – die Rede ist vom großartigen Kinderprogramm (nicht ironisch gemeint) des ORF.

Daneben konnte das öserreichische Staatsfernsehen vor allem durch aktuelle Filme ohne Werbeunterbrechungen und regelmäßigen Fußballübertragungen punkten. Es mag für premierleagueverwöhnte Sky-Abonnenten vielleicht ein bisschen pervers klingen, aber ich habe die österreichische Bundesliga trotz ihrer mäßigen Qualität immer gerne verfolgt.

So kam es, dass ich 1992 zufällig Zeuge einer legendären Interviewsituation wurde, auf die ich mir zum Ausstrahlungszeitpunkt keinen wirklichen Reim machen konnte. Lag wohl an der Randomness – so würde es zumindest der Engländer nennen – des Gesehenen. Immer mal wieder habe ich in den vergangenen Jahren auf den gängigen Videoportalen danach erfolglos gesucht. Und inzwischen hat sich endlich jemand die Mühe gemacht, das Ding hochzulanden. Grandios. Youtube spült irgendwann einfach alles nach oben!

Zur Einordnung: Hans Krankl versuchte sich damals ausnehmend erfolglos als Trainer von Rapid Wien und spekulierte außerdem ganz offensichtlich auf die Rolle des Heinrich „Isch scheiß disch sowas von zu mit mein’m Jeld“ Haffenloher in Kir Royal. Die Darstellung des schmierigen Großindustriellen blieb dann allerdings doch Mario Adorf überlassen, Krankls Posten beim Rekordmeister sollte in der drauffolgenden Saison von Gustl Starek übernommen werden.

Krankl zeigte sich ob dieser beruflichen Hiobsbotschaften derart erzürnt, dass er für  die verbleibenden Partien als Rapid-Coach nicht mehr mit der Presse sprechen wollte. Das zog er dann auch erstmal durch, bis er von einem hartnäckigen Reporter vor Anpfiff eines Wiener Derbys geradezu bekniet wurde, dieses Schweigegelübde doch bitte zu brechen. Was er dann auch tat:

Zementiert? Zementiert.

Aber glauben Sie mir, bei uns verändert sich täglich etwas. Wir haben heute 102 Mitarbeiter, als ich anfing, hatten wir 22. Wir werden jeden Tag besser, wir sind ein gut aufgestellter Verein. Niemand registriert, dass ihm jemand, wenn er bei der Eintracht anruft, nach dreimaligem Klingeln eine präzise Antwort gibt. Keiner registriert, dass er die Dauerkarte Ende Juli im Briefkasten hat und nicht vier Tage vor Saisonbeginn per Kurier zugestellt bekommt. Wir haben uns auch als Dienstleister verbessert.

Heribert Bruchhagen ist ein gefragter Gesprächspartner, der gerne über seine solide Arbeit als Vorstandsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG und deren positive Effekte parliert. Nicht ohne sich im gleichen Atemzug noch gerner über Wettbewerbsverzerrung und „zementierte Verhältnisse“ in der Bundesliga auszulassen.

Man könnte das nun als Gezeter eines ostwestfälischen Dickkopfes abtun – oder einfach mal nachrechnen, ob der Mann nicht vielleicht doch recht hat. Denn tatsächlich erreichten in keiner anderen europäischen Top-Liga in den vergangen zehn Spielzeiten so wenig Vereine eine Platzierung unter den ersten sechs wie hierzulande:

Clubs in den Top 6 untersch. Meister
Deutschland 12 5
England 13 3
Spanien 17 3
Italien 14 4
Frankreich 16 4

Es muss toll sein, als Manager in Spanien zu arbeiten. Dort, wo im Schatten der beiden Giganten der Kampf um die Europapokalplätze erstaunlich offen ist. Und besseres Wetter ist ja auch noch. Die Bundesliga zeigt sich hingegen eher als Kuriositätenkabinett: Die meisten unterschiedlichen Titelträger, die wenigsten Top-Teams. Zu denen, zumindest für eine Saison, übrigens auch der SC Freiburg gehörte. Solide gearbeitet wird dort allerdings auch.

_


_

 

FC Bayern München, VfL Wolfsburg, FC Schalke 04, SV Werder Bremen, Bayer Leverkusen, Hertha BSC, Borussia Dortmund, Hamburger SV, VfL Bochum, VfB Stuttgart, 1. FC Nürnberg, SC Freiburg

10 Bundesliga-Stadien in Google Street View

Das umstrittene Projekt Google Street View hat heute um 9 Uhr seinen Deutschlandbetrieb gestartet. Als erster Ort kann kurioserweise die aufstrebende bayrische Metropole Oberstaufen erkundet werden.

Parallel dazu hält Google für uns Fußballasis noch ein nettes Schmankerl parat: Zehn aktuelle Spielstätten der Fußball-Bundesliga laden zum virtuellen Stadionbesuch ein. Darunter auch unsere Arena in Gelsenkirchen. Macht auf jeden Fall Laune. Viel Spaß.

WM 2010: Tipps 20. Juni

██ = Buchmacher | ██ = ich

Auswertung von gestern:

5 Punkte | 3 Punkte

Gesamtstand:

39 Punkte | 30 Punkte

Tipps für den 20. Juni:

Slowakei – Paraguay 0:1 | 1:2
Eine interessante Partie, da es auf beiden Seiten viele ehemalige und aktuelle Bundesliga-Spieler zu sehen gibt. Paraguay hat mehr internationale Erfahrung und wird das Ding nach Hause schaukeln.

Italien – Neuseeland 2:0 | 1:0
Italien eben. Ich freue mich vor allem auf den Auftritt von Rory Fallon. Der Mann, der Neuseeland in den Play-Offs gegen Bahrain nach Südafrika geschossen hat.

Brasilien – Elfenbeinküste 1:0 | 3:1
Mit einem nicht voll einsatzfähigen Drogba wird das ein ganz bitterer Abend für die West-Afrikaner.

Wie Spielplanhexer aus Fehlern lernen

Kalender: Wird schon schiefgehen

Samstag, 16.05.2009:
3. Liga, 37. Spieltag
13:30 Uhr: Werder Bremen II – Stuttgarter Kickers
1. Bundesliga, 33. Spieltag
15:30 Uhr: Werder Bremen – Karlsruher SC

Stuttgarter und Karlsruher, Württemberger und Nord-Badner, die mögen sich einfach nicht besonders. Sollte sich eigentlich auch bis nach Frankfurt herumgesprochen haben. Nun waren damals aufgrund des bereits feststehenden Abstieges nicht allzu viele Kickers-Fans in den Norden mitgereist, so dass es wohl  zu keinen größeren Scharmützeln kam, als einige KSC-Anhänger vor Anpfiff der Erstligapartie „am Gästeblock vorbeigeschaut haben“. Glück gehabt.

Doch dieses sicherheitstechnische blaue Auge hat den Kommandozentralen von DFB und DFL keinen Erkenntnisgewinn beschert. Anders sind diese Ansetzungen jedenfalls nicht zu erklären:

Samstag, 08.05.2010:
3. Liga, 38. Spieltag
13:30 Uhr: Werder Bremen II – Erzgebirge Aue
1. Bundesliga, 34. Spieltag
15:30 Uhr: Werder Bremen – Hamburger SV

Selbst wenn es für den HSV am letzten Spieltag um nichts mehr gehen sollte, werden natürlich trotzdem Tausende Hamburger den Weg zum Nordderby antreten. Aue ist momentan Tabellenführer der 3. Liga, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Veilchen just in der Hansestadt den Aufstieg in die 2. Bundesliga feiern werden.

Nun herrscht keine bekannte Rivalität zwischen Aue und Bremen respektive Hamburg, dennoch dürfte die Polizei wenig erpicht darauf sein, gleich drei große Fangruppen trennen zu müssen. Da sich die Spielstätte der Werder-Reserve aber dummerweise direkt auf dem Gelände des Weserstadions befindet, wurde die Drittligapartie vorsorglich in den Stadtteil Oberneuland verlegt.

Dort trägt gewöhnlich der FC Oberneuland seine Heimspiele in der Regionalliga Nord aus. Der „Sportpark am Vinnenweg“, der mit 5.050 Plätzen so gerade eben die Vorraussetzungen für die 4. Liga erfüllt, ist aber eigentlich deutlich zu klein für die höchste DFB-Spielklasse:

Zuschauerkapazität des Stadions von mehr als 10.000 Plätzen, davon mindestens 2.000 Sitzplätze.

Aber der DFB wäre aber nicht der DFB, wenn er für die zweiten Mannschaften nicht noch eine Sonderregelung aus dem Hut gezaubert hätte:

Für 2. Mannschaften der Lizenzligen: Zuschauerkapazität des Stadions von über 5.000 Besucherplätzen;

Und die 5.000er-Marke wird von der schnuckeligen Stadtteil-Arena ja um genau 50 Plätze übertroffen. Alles klar also? Nicht ganz:

Benennung Ausweichstadion für Spiele mit erhöhtem Zuschaueraufkommen bzw. Risikospiele.

Und wenn eine lila-weiße Karawane aus dem Erzgebirge kein „erhöhtes Zuschaueraufkommen“ darstellt, was dann? Pech, dass das für diese Fälle als Ausweichstadion benannte Weserstadion bereits anderweitig belegt ist.

Während also immer wieder Vereine vom Aufstieg in den überregionalen Fußball ausgeschlossen oder zumindest unnötig schikaniert werden, weil die Umrüstung ihrer Stadion mit unangemessenen finanziellen Risiken einherginge, setzt sich der DFB hier nonchalant über die selbst gesetzten Anforderungen für drittligataugliche Spielstätten hinweg.

Basisnähe geht anders. Vernünftige Spieltagsplanung erst recht.

Kick it like Perugia

In der Saison 1888/89 hatte Preston North End etwas vollbracht, was erst 115 Jahre später von Arsenal nachgeahmt werden sollte: Die englische Fußballmeisterschaft ungeschlagen für sich zu entscheiden. An dieser Zeitspanne wird bereits ersichtlich, dass eine derartige Leistung gar nicht hoch genug bewertet werden kann.

In der Bundesliga konnte jedenfalls noch überhaupt keine Mannschaft eine komplette Spielzeit ohne Niederlage überstehen. Am nächsten dran waren – natürlich – die Bayern, die 1986/87 auf dem Weg zum Titel nur ein einziges mal strauchelten.

Momentan führt Bayer Leverkusen die Bundesligatabelle unbesiegt an. Noch, ist man fast geneigt hinzuzufügen. Denn der Rekordmeister liegt trotz seiner zwei bislang erlittenen Schlappen punktgleich in Lauerstellung. Der Werkself droht nun quasi der Gipfel der Vizekusigkeit: Unbesiegt die Schale nach München gehen zu sehen.

Ein kurioses und dennoch nicht völlig unrealistisches Szenario, das allerdings keinen Anspruch auf Exklusivität erheben darf. Denn einen ganz ähnlichen  Fall hat es bereits gegeben – vor gut 30 Jahren, in der italienischen Serie A. Der AC Perugia gelang 1978/79 das einmalige Kunststück, den zweiten Platz hinter Milan zu belegen, und das ohne eine einzige Niederlage. Rekordverdächtige 19(!) von 30 Begegnungen endeten mit einem Remis.

Das von Trainerfuchs Ilario Castagner betreute Perugia galt  zu dieser Zeit als keinesfalls herausragender, aber eben sehr unbequemer Gegner. Äußerst diszipliniert, ohne die ganz großen Stars. Ein gewisser Walter Speggiorin war damals mit 9 Saisontörchen der gefährlichste Offensivspieler. Und wenn in einer sowieso schon torarmen Liga ein Team die sicherste Abwehr und einen bestenfalls mittelmäßigen Sturm aufzubieten hat, sind 0:0 und 1:1 nunmal die wahrscheinlichsten Ergebnisse.

Damals empfanden Perugias Tifosi das beste Abschneiden der Vereinsgeschichte samt Qualifikation für den UEFA-Cup sicher nur als schwachen Trost für den verpassten Scudetto.  Heute wären sie froh, ihre Associazione Calcio würde überhaupt noch existieren. Nach sportlichen Berg- und Talfahrten, der Verwicklung in mehrere Wettskandale und finanziellen Problemen gab der Verein im Jahr 2005 seine Auflösung bekannt. Der Nachfolger Perugia Calcio dümpelt aktuell irgendwo im Mittelfeld der drittklassigen Serie C1 A.

Und, egal was in dieser Bundesligasaison noch passieren wird: So weit wird es in Leverkusen in naher Zunkunft wohl eher nicht kommen.

1978/79 gelingt es Perugia sogar, einen fantastischen zweiten Platz hinter Milan zu belegen, und das ohne eine einzige Niederlage: In 30 Begegnungen spielt Perugia 19 mal unentschieden und gewinnt 11 mal.