Biertischmaschine

Eine Szenerie wie aus der bizarrsten Passage eines David-Lynch-Drehbuchs – oder einfach 80s as 80s can be:

Pressekonferenz. Im schwülen Pitralon-Ambiente, tief unten in den Katakomben des Ludwigshafener Südweststadions, wurde eine Männerfreundschaft auf eine ganz harte Probe gestellt. Rolf Töpperwien zitierte im Anschluss an Waldhof vs. Bayern das Fußball-Fachmagazin „Hörzu“, wonach Udo Lattek seinen Trainerkollegen Klaus Schlappner als „Biertischmaschine“ bezeichnet haben soll. Natürlich stilecht vom Bierdeckel vorgelesen.

Wo heute Flaschen allseits bekannter Softdrinkhersteller um die Aufmerksamkeit der Kameralinsen gieren, warteten 1986 noch belegte Brötchen ohne Sponsorenaufdruck darauf, ganz profan verzehrt zu werden. Das Wurstmassiv leistete allerdings auch als Versteck veritable Dienste. Gut für Schlappi, damals längst wieder auf demokratischem Boden weilend, der unmittelbar nach Töppis verbalem Leberhaken einen äußerst bemitleidenswerten Eindruck erweckte. Als ob ihm jener – Boden – gerade unter den Füßen weggezogen und er – Schlappi – auf direktem Weg in den Limbus geschickt worden wäre.

Doch nachdem sich alles als „glatte Lüge“ (Udo) herausgestellt hatte, normalisierten sich die Gesichtszüge aller Beteiligten und auch die Brötchen konnten, vermutlich, ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden.

Schön, dass das Internetz solche Perlen für die Nachwelt konserviert (Link zur ZDF-Mediathek). Wie denn nun so eine ominöse Biertischmaschine tatsächlich ausschaut, darüber kann allerdings selbst die ansonsten nahezu allwissende Google-Bildersuche keinen Aufschluss erbringen.

Fotos: Olympiastadion München

Olympiastadion, München

Adresse: Spiridon-Louis-Ring 21, 80809 München
Heimatverein: derzeit kein regelmäßiger Fußballspielbetrieb
Kapazität: 69.250 Plätze (60.036 Sitz- und 7.401 Stehplätze)
Zuschauerrekord: 90.000 (1973, Regionalliga Süd: TSV 1860 München – FC Augsburg 1:1)
Erbaut: 1972

Sowohl die Bayern als auch 1860 spielen seit 2005 in der Arena. Fußball im Oly iss nich mehr, 2011 gibt’s stattdessen Motor“sport“.

Video:

Fotogalerie (Bilder durch Anklicken vergrößern):

Olympiastadion,Muenchen Olympiastadion,Muenchen
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Manuel Neuer vor dem Abgang – Pest oder Sommergrippe?

Lieber Manuel,

glaub mir, ich kenne die typische Ambivalenz, die regelmäßig für 90 Minuten die Gedankenwelt eines Torhüters beherrscht. Ich bin schließlich selber einer. Man möchte etwas zu tun haben, sich auszeichnen. Das eigene Ego giert nach dem Lob der Mitspieler und dem des Trainers. Gleichzeitig will man aber natürlich unter allen Umständen zu Null spielen. Schüsse, die aufs Tor kommen, sollten also irgendwie haltbar sein. Wirklich logisch ist das nicht. Und doch werden am Spieltag wahrscheinlich sämtliche Torhüter auf diesem Planeten von dieser komischen, ja geradezu absurden Gefühlsmelange heimgesucht.

Momentan allerdings wäre es Dir sicher recht, wenn Du auf spektakuläre Paraden verzichten und dafür nicht so oft hinter Dich greifen müsstest. In der Nationalmannschaft bist Du Stammtorwart, Du hast eine gute WM gespielt. Da frustrieren die aktuellen Ergebnisse im Verein umso mehr. Selbstverständlich habe ich Verständnis dafür, dass ein junger Profi auf dem Weg zur Weltklasse internationale Titel gewinnen möchte. Unter diesen Umständen kommen die ständigen Avancen aus München freilich wenig überraschend.

Ich bin sicher nicht der größte FCB-Hasser und mit den üblichen München-Klischees von koksenden Schickis in ihren gentrifizierten Favelas möchte ich Dich auch nicht langweilen. Man könnte es dort sicher aushalten und Du kennst die Stadt, was man so hört, sowieso besser als ich. Ich könnte es aber einfach nicht ertragen, Dich im Bayern-Trikot gegen Schalke auflaufen zu sehen. Genau genommen könnte ich mir Manuel Neuer in gar keinem anderem Bundesliga-Dress als dem mit dem großen, kreisrunden „G“ vorstellen.

Wenn wir aber mal ehrlich sind – ein Wechsel zu den Stuttgarts, Hamburgs oder Bremens dieser Fußballwelt würde keinen Sinn ergeben. Was willst Du bei einem Verein, der zumindest in den vergangenen Jahren auf einem vergleichbaren Level wie Königsblau agiert hat? Nein, in Deutschland käme als nächster Karriereschritt nur der Rekordmeister in Frage. Oder eben ein Transfer ins Ausland. Dass Sir Alex in Manchester schon bald eine neue Nr. 1 braucht und Du perfekt ins Anforderungsprofil passen würdest, ist kein Geheimnis.

Im US-Sport gibt es den Ausdruck „Franchise-Player“. Der Eishockeyspieler Steve Yzerman, der 20 Jahre lang die Detroit Red Wings als Kapitän aufs Eis geführt hat, war einer von dieser Sorte. Doch diese Betitelung würde Dir nicht gerecht werden. Schon gar nicht in einer Zeit, in der weltweit nach 13-jährigen Talenten gescouted wird und ein bedeutungsloses Gebilde wie 1899 der unkritischen Journaille vom kleinen Nachbarverein abgeworbene A-Jugendspieler erfolgreich als „Eigengewächse“ verkauft.

Nein, Manuel, Du bist der Gegenentwurf zu all diesen desillusionierenden Entwicklungen. Du hast hier sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen und Dich auch von Widrigkeiten nicht aufhalten lassen. Dein bisheriger Werdegang ist gelebte Anti-Globalisierung. Du bist – so viel Pathos muss erlaubt sein – Schalke 04. Nicht mehr und nicht weniger.

Von daher würde uns auch ein Wechsel zu Man Utd mehr als nur leicht verschnupft zurücklassen. Aber dieses Szenario wäre irgendwie erduldbar. Und weißt Du was? Vorausgesetzt, Du leistest Dir bei Deinen ersten Auftritten nicht sofort einen Riesenbock – sie würden Dich dort lieben. Ernsthaft. Für Deine natürliche, unprätentiöse Art. Für Deinen Lausbubencharme. Für Deine schiere Physis, die sich in Deinem Spielstil und insbesondere in Deinen bereits heute legendären Abwürfen manifestiert.

Falls Deine Entscheidung nicht schon längst gefallen ist: Überlege noch einmal ganz genau, was das Richtige ist. Nicht für uns. Sondern vor allem für Dich, für Deine Familie und Freunde in Buer.

Glück auf!

Ein Fan

Sättigung verringern

2. Bundesliga – 09/10
SC Rot-Weiß Oberhausen – TSV 1860 München
0:1 (0:0)
06.12.09, Stadion Niederrhein (Oberhausen)
4.368 Zuschauer (ca. 300 Gäste)

Gemütlich? Zu Hause vielleicht, auf der Couch. Aber hier? Die ganze novembrige Trostlosigkeit dieser Welt widerspiegelnd und das an Nikolaus. Kein Stoff für Träumereien, kein Material für Mythen. Grau in Grau in Grau. Nass bis auf die Haut. Glamourös wie RTL II.

Doch genug zum Királyschen Beinkleid. Zurück in die Totale: RWO unterliegt gegen die Löwen in einem schwachen Zweitligaspiel mit 0:1. Es regnet in Strömen.

PS: Und ich frach mich noch, warum der Krug Hellmut so hektisch durch den Stadioneingang galoppiert.

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Spielberichte: HP RWO | kicker.de | HP 1860

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Wenn Kinder handeln und Milchmädchen rechnen

Ziemlich schwere Geschütze, die Karl-Heinz Rummenigge in der aktuellen Ausgabe der Sport-Bild auffährt:

Ein Arsene Wenger holt offenbar jedes Jahr Heerscharen von Spielern aus Frankreich und sonst woher. Dieser Art von Kinderhandel gilt es Einhalt zu gebieten. Das hat inzwischen ja Ausmaße angenommen, da ist das Wort Kidnapping nicht mehr weit.

Da so etwas ja mal überhaupt nicht geht, fordert die Schande von Lippstadt für die nationalen Ligen eine ähnliche Quotenregelung für Eigengewächse, wie sie bereits in der Europapokal-Wettbewerben angewendet wird:

Im Europacup gilt die so genannte 4+4-Regel, wonach in jedem Kader acht Spieler stehen müssen, davon vier in der Startelf, die zwischen dem 15. und 21. Lebensjahr mindestens drei Jahre in dem jeweiligen Land ausgebildet wurden. Die Nationalität spielt keine Rolle.

Ich verstehe ja, dass Rummenigge von der Unfähigkeit der eigenen Scouting-Abteilung ablenken möchte. Was mir aber nicht so recht einleuchtet: Wenn ein 15-jähriger Spanier nach England wechselt, dann greift bei ihm doch bereits mit 18 diese drollige 4+4-Regel. Oder etwa nicht? Nach meinem Verständnis wäre das geradezu eine Einladung für die Top-Vereine, möglichst viele und immer jüngere Talente aus dem Ausland zu verpflichten.

Nun, entweder unterliegt der Kalle einem Denkfehler, oder eben ich. Da der Vorstandsvorsitzende einer Fußball-AG aber eigentlich keine Fehler macht…

Übrigens: Der Gescholtene ist weder verwandt noch verschwägert mit jenem Arsene Wenger, der momentan und in regelmäßigen Abständen als heißer Kandidat fürs vakante Traineramt gehandelt wird.

Osram und Tiger

Den größten Fehler, den ich während meiner Tätigkeit als Manager beim FC Bayern begangen habe, war die Entlassung von Jupp Heynckes 1991.

Gut möglich, dass Uli Hoeneß, heute danach gefragt, einen ganz anderen personellen Lapsus nennen würde.

Beim Rekordmeister haben sie jedenfalls die Reissleine gezogen und Jay zurück nach Göppingen geschickt. Der oben erwähnte Heynckes und Hermann Gerland, ein Rheinländer und ein Westfale, sollen den bajuwarischen Karren nun aus dem Dreck ziehen. Nach der Niederlage von Wolfsburg in Cottbus keine unlösbare Aufgabe für das dynamische Duo.

Meine Prognose (ohne Blick auf das Restprogramm): Bayern wird doch noch Meister. Wer hält dagegen?

PS: Die offizielle Stellungnahme der Münchner zu Klinsis Rauswurf sieht nach einer Bearbeitung mit Wordle (tolles Tool!) gleich viel freundlicher aus:

bayern-wordle