Betr.: #AudiCup2017 – Fragen an @DasErste

Audi-Cup 2017

Diese Fragen gingen soeben per Fax an die Pressestelle des Ersten Deutschen Fernsehens raus:

1. Erhält die ARD / Das Erste von Turniersponsor Audi finanzielle Unterstützung für die Übertragung?

2. a) Falls ja: Wie stellt sich diese dar?

b) Falls nein: Wieso übernehmen Sie die Bezeichnung „Audi Cup“ ohne Bindestrich in Ihre Berichterstattung? Sollten Markennamen, die nicht den Rechtschreibungs-Regeln der deutschen Standardsprache entsprechen, von einer Anstalt des öffentlichen Rechts nach journalistischen Maßstäben korrigiert (Beispiel: „Iphone“ statt „iPhone“) werden?

3. Wieso tangiert bzw. verletzt die an vielen Stellen (z.B. in der Vorankündigung, Videotext, usw.) von Ihnen publizierte sowie mehrfach in der Live-Übertragung erwähnte Automarke nicht das gesetzliche Werbeverbot nach 20 Uhr?

4. Wie bewerten Sie den sportlichen Wert derartiger Freundschaftsspiele?

5. Wie rechtfertigt dieser eine Live-Übertragung zur so genannten Prime-Time in einem gebührenfinanzierten Medium?

Falls wir eine Antwort erhalten (wovon wir natürlich schwer ausgehen), wird sie an dieser Stelle unkommentiert veröffentlicht.

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Lineares Greisentum ./. Octo-Box Madness

Es duftet verräterisch nach Äpfeln und Eiern, wenn man unseren Fußball mit dem Football der Amerikaner vergleicht. Das gilt natürlich auch für die jeweilige Spieltags-Berichterstattung im Fernsehen. Also, Äpfel und Eier, wie gesagt.

Deshalb möchten wir das erst gar nicht versuchen, sondern weisen quasi als kleine Leseempfehlung für das fast schon zu Ende gegangene Wochenende auf zwei Artikel hin.

Torsten Körner vom Branchendienst Funkkorrespondenz ist nicht so wirklich damit einverstanden, wie Das Erste mit dem Seitfallrükzieher-Tor von Zlatan Ibrahimovic umgegangen ist:

Die ARD hätte in diesem transzendentalen Traumtor-Moment ihre nationale Brille abnehmen und den Blick des globalen Trüffelschweins sich zu eigen machen müssen, denn das ist der Blick, mit dem junge Leute heute das Netz bereisen. Wacht auf! Werdet lebendig! Danke, Zlatan!

Rembert Browne twittert und schreibt regelmäßig über die NFL. Anfang November wurde er von Anchor Scott Hanson eingeladen, der Produktion einer Folge von NFL RedZone beizuwohnen. Browne berichtet darüber in einer Art „Access all Areas“-Reportage (Englisch).

Yes, he was getting fed information through an earpiece, information that he would then say on the air, but for the most part his knowledge came from his notes, stats from the two researchers by his side, and, most important, his football-almanac brain.

Und nochmal: Man kann eine Länderspielübertragung nicht mit einem NFL-Gameday vergleich. Als direktes Vergleichsobjekt zu NFL Red Zone hätte sich natürlich eher die Bundesliga-Konferenz von Sky oder Liga Total angeboten. Dennoch finde ich, dass diese in ihrer jeweiligen Machart herausragenden Artikel wunderbar aufzeigen, wie sehr uns die USA in Sachen Sportberichterstattung voraus sind.

Wie dort vor allem auch die Positionen hinter den Kulissen nach Sachverstand besetzt werden. Dass genau jene Nerds als Rechercheure und Stichwortgeber fungieren, die für den Sport brennen, die als wandelnde Lexika durchs Leben gehen und jedes neue Info-Fitzelchen gierig einsaugen. Wie flexibel Technik und Köpfe auf Ereignisse reagieren.

Und wir haben Jessica Kastrop.

Fiktive Fußballvereine im „Tatort“

  • Hannover (Tatort: Mord in der ersten Liga)
  • FC Bremen (Tatort: Endspiel)
  • VfL Bonsdorf (Tatort: Platzverweis für Trimmel)
  • FC Eppheim* (Tatort: Im Abseits)
  • Fortuna III (Tatort: Fortuna III)
  • FC Trudering und FC Dingelbach (Tatort: Pension Tosca)

*Liebe Google-Freunde: Die Spielstätte des FC Eppheim steht in Wirklichkeit in Südbaden. Im Wörtelstadion trägt der SV Kuppenheim seine Heimspiele aus.

Letztes Geheimnis des Profifußballs gelüftet

Wir befinden uns im Jahre 2010 n. Chr. Der Profifußball befindet sich in einer Ära postsommermärchelnder Aufklärung. Ob Trainer-Ansprachen kurz vor Spielbeginn („Zweimal hämmer se am Rande ghabt.“), leidenschaftlich geführte Taktikdiskussionen oder die Musikauswahl im Mannschaftsbus – die Gepflogenheiten in der Kabine und um die Kabine herum wurden spätestens mit Sönke Wortmanns Dokumentation ihrer Heimlichkeit unwiederruflich beraubt.

Dabei konnte dank medialer Rundumversorgung auch vorher schon der eine oder andere Blick in die Maschinenräume der Schlagzeilenfabrik namens Fußball erhascht werden. Mit dem Ergebnis, dass uns mittlerweile selbst das Zu-Ohren-Kommen nächtlicher Intermezzi in den Entmüdungsbecken der sagenumwobenen Säbener Straße trotz leicht inzestuösen Bouquets höchstens ein kurzes, wissendes Lächeln aufs Antlitz zaubern kann.

Alle Rituale des weltweit beliebtesten Profisports sind also bekannt. Alle Rituale? Nein! Seit Generationen verzweifeln neugierige Fußballanhänger an der Lösung eines existenziellen Rätsels: Was ruft der Mannschaftskapitän seinen Mitspielern unmittelbar nach Halbzeitpfiff zu?

Der Sportschau ist es nun gelungen, diese letzte Wissenslücke zu füllen. Unter tatkräftiger Mithilfe von Heiko Butscher, verletzter Spielführer des SC Freiburg, der vor dem gestrigen Heimspiel gegen Kaiserslautern (Halbzeitstand 1:1) mit versteckten Mikrofonen ausgestattet wurde. Da uns Normalverbrauchern eine solche Vorgehensweise höchstens durch observierte Drogendeals in Hollywood-Filmen geläufig ist, liegt der Verdacht nahe, dass Butscher nicht ganz freiwillig kooperiert hat. Aber das nur am Rande.

Wichtig ist auf Zeichnung. Und diese förderte Erstaunliches zu Tage. Entgegen aller Erwartungen doziert so ein Kapitän nämlich keine aus dem Mentaltraining bekannten Leitsätze, nicht einmal weltmännische Klugheiten wie die eines César Luis Menotti befinden sich in seinem Repertoire. Nein, er füttert seine Mannschaft lediglich mit leicht verdaulichen Motivationshäppchen der Güteklasse „Weiter so!“, „Das packen wir schon!“ oder „Du machst noch dein zweites Tor!“.

Bleibt mir nur noch, mich stellvertretend für sämtliche Gebührenzahler für diesen gleichermaßen faszinierenden wie desillusionierenden Einblick in die nun zur Gänze entmystifiziere Welt des Profifußballs zu bedanken.

Danke.

Nepper, Schlepper, Spitzen-Rapper

Ein Auszug aus der aktuellen, ähm, Folge (nach dem Ghana-Spiel) der zurecht hochgelobten „Blumentopf-RAPortagen“ im Ersten:

Am Sonntagnachmittaaa(g)
kommts zum Klassikaaa
diesmal in Afrikaaa
kommt schon Jungs, ihr macht das klaaa

Wertung: Sieben „Yo!“s auf der nach unten offenen Claus-Lufen-Skalaaa.

Ich bin nicht nur Fußballfan

Ich bin sogar ein sehr, sehr großer Fußballfan. Manche würden meinen Konsum vielleicht als „extrem“ bezeichnen. Ansichtssache.

Doch das geht definitiv zu weit:

Nachdem Michael Ballacks Innenband bereits außerplanmäßig im ZDF (19:20 Uhr | ZDF spezial: WM-Aus für Ballack) thematisiert wurde, sah sich offensichtlich auch die ARD zu einer kurzfristigen Programmänderung genötigt. Zur Stunde läuft eine „Sportschau extra„. Und das, während vor der US-Küste täglich Tausende Barrel Öl in den Golf von Mexiko fließen und in einer südostasiatischen Hauptstadt ein Bürgerkrieg tobt. Brennpunktfrei.

Leute, justiert mal eure Prioritäts-Sensoren neu. Euer Zwangsgebührenmodell ist kaum noch zu rechtfertigen.

Weil’s einfach Pflicht ist

Der dritte Matchball brachte die Entscheidung. Mit einem 2:0-Sieg über Jahn Regensburg hat Union Berlin den Aufstieg in die 2. Bundesliga erreicht. Herzlichen Glückwunsch!

Ein großer Tag natürlich für alle Freunde der Eisernen, aber auch ein dankbares Ereignis für Fernsehmacher. Sind bei so einem Erfolg eines derart gut unterstützten Vereins doch schöne Bilder und O-Töne mit vielen Emotionen garantiert. Ein von tausenden Anhängern überfluteter Rasen, Schampuspullen im Entmüdungsbecken, ein weinender Präsident, halbnackte Spieler und lustige Interviews. Man kennt das ja. Aber, mal ganz unter uns, als bräsiger TV-Rezipient möchte man doch irgendwie auch gar nichts anderes vorgesetzt bekommen.

Sozusagen also eine Win-win-win-Situation, absolut ausgeschlossen da etwas zu verbocken. Die gestrige Ausgabe der Sportschau bewies dann allerdings, das es sehr wohl möglich ist, selbst diesen fernsehtechnischen Elfmeter ohne Torwart zu versemmeln. Versemmeln ist vielleicht der falsche Ausdruck. Denn verwandelt hat er ihn ja, der an der Seitenauslinie herumvagabundierende Reporter. In einen sensationellen Dialog mit Berlins Trainer Uwe Neuhaus (Gedächtnisprotokoll):

Reporter: Ham‘ Sie sich die zweite Liga schonmal ein bisschen angeschaut? So Spielstärke, Konkurrenz?

Neuhaus: Och, ich interessier mich eigentlich gar nicht für Fußball.

Leider ist dieser aus einer sensationell dummen Frage und einer sensationell schlagfertigen Antwort bestehende Gesprächsfetzen aber nicht einfach nur witzig. Er vermittelt vielmehr einen Eindruck davon, wie ein Journalist, erstmal im sicheren Schoß des öffentlich-rechtlichen Gebührenparadieses angekommen, seine eigenen Scheuklappen auf andere Berufsbilder projiziert. Schon GEZahlt?