Lineares Greisentum ./. Octo-Box Madness

Es duftet verräterisch nach Äpfeln und Eiern, wenn man unseren Fußball mit dem Football der Amerikaner vergleicht. Das gilt natürlich auch für die jeweilige Spieltags-Berichterstattung im Fernsehen. Also, Äpfel und Eier, wie gesagt.

Deshalb möchten wir das erst gar nicht versuchen, sondern weisen quasi als kleine Leseempfehlung für das fast schon zu Ende gegangene Wochenende auf zwei Artikel hin.

Torsten Körner vom Branchendienst Funkkorrespondenz ist nicht so wirklich damit einverstanden, wie Das Erste mit dem Seitfallrükzieher-Tor von Zlatan Ibrahimovic umgegangen ist:

Die ARD hätte in diesem transzendentalen Traumtor-Moment ihre nationale Brille abnehmen und den Blick des globalen Trüffelschweins sich zu eigen machen müssen, denn das ist der Blick, mit dem junge Leute heute das Netz bereisen. Wacht auf! Werdet lebendig! Danke, Zlatan!

Rembert Browne twittert und schreibt regelmäßig über die NFL. Anfang November wurde er von Anchor Scott Hanson eingeladen, der Produktion einer Folge von NFL RedZone beizuwohnen. Browne berichtet darüber in einer Art „Access all Areas“-Reportage (Englisch).

Yes, he was getting fed information through an earpiece, information that he would then say on the air, but for the most part his knowledge came from his notes, stats from the two researchers by his side, and, most important, his football-almanac brain.

Und nochmal: Man kann eine Länderspielübertragung nicht mit einem NFL-Gameday vergleich. Als direktes Vergleichsobjekt zu NFL Red Zone hätte sich natürlich eher die Bundesliga-Konferenz von Sky oder Liga Total angeboten. Dennoch finde ich, dass diese in ihrer jeweiligen Machart herausragenden Artikel wunderbar aufzeigen, wie sehr uns die USA in Sachen Sportberichterstattung voraus sind.

Wie dort vor allem auch die Positionen hinter den Kulissen nach Sachverstand besetzt werden. Dass genau jene Nerds als Rechercheure und Stichwortgeber fungieren, die für den Sport brennen, die als wandelnde Lexika durchs Leben gehen und jedes neue Info-Fitzelchen gierig einsaugen. Wie flexibel Technik und Köpfe auf Ereignisse reagieren.

Und wir haben Jessica Kastrop.

Soccer in den USA weiter auf dem Vormarsch

Eine Bestandsaufnahme von zeitloser Gültigkeit:

Inzwischen schwärmen nahezu 30 Prozent der US-Bürger für den Fußball nach europäischer Art. Nur noch American Football, dessen Spielzeit (September bis Januar) an die Soccer-Saison (März bis August) anschließt, und Pferderennen zählen augenblicklich noch mehr Anhänger als der europäische Fußball.

Der amerikanische Football wird vorwiegend von gutgepanzerten Spielern mit den Händen ins Ziel getragen, die Füße sind zum Treten des Gegners da. Jährliche Todesrate: bis zu 49. Im europäischen Fußball ist Handspiel verboten, nachgetreten wird nur, wenn der Schiedsrichter wegguckt. Der vor Jahren noch als „Emigranten-Sport“ verhöhnte Soccer-Wirbel „breitet sich“, so „U.S. News & World Report“, besonders „unter jungen Menschen schnell aus“.

Amerikaner zwischen 18 und 25 […] gelten als typische Fans des Fußballs made in Europe. 49 Prozent der zahlenden Zuschauer sind Frauen. Mädchen spielen Fußball unter sich, aber auch in gemischten Mannschaften. Soccer ist der beliebteste Schulsport.

Und angesichts dieser positiven Entwicklungen wagt natürlich auch The Kaiser eine Prognose:

Beckenbauer: „In zehn Jahren gibt es bestimmt die ersten Weltklassespieler amerikanischer Abstammung.“

Implosive Menschen kennen keine Grenzen

Die neue Heimat der Dallas Cowboys ist vermutlich der spektakulärste Stadionneubau, den es in jüngerer Vergangenheit zu bestaunen gab. Aber auch bei der Beseitigung ihrer alten Spielstätte haben es die Texaner so richtig krachen lassen. Eindrucksvoll dokumentiert wird die Sprengung des Texas Stadiums von diesem interaktiven 720-Grad-Video – gefilmt vom Spielfeld(!) aus. Man befindet sich also quasi mitten im Auge des Hurrikans, der 37 Jahre NFL-Geschichte binnen weniger Sekunden einfach so wegbläst. Fasten your seatbelts.