Abenteuer 18

Um keine großen Worte verlieren zu müssen, borge ich mir ganz guttenbergesk die Erklärung für diesen Text beim ersten Trittbrettfahrer der bei angedacht initiierten Aktion:

Dieser [heinzkamke] hat nun heute die von allen Fußballfans sicher schon mal hin und hergewogene Frage in seinem Blog beantwortet, wie sie denn aussähe, die 1. Bundesliga, ginge es nur nach den eigenen „völlig willkürlichen tendenziell nostalgischen Kriterien“. Ich mach‘ mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt.

Meine Liste sähe dann so aus:

1.) FC Schalke 04
Klar.

2.) FC Bayern
Mit ihm geht es nicht, ohne aber erst recht nicht.

3.) Hamburger SV
Einfach immer da.

4.) 1. FC Nürnberg
Die Ablösung als Rekordmeister liegt zwar schon etwas länger zurück… aber trotzdem. Oder deswegen.

5.) Fortuna Düsseldorf
Überraschung? Mochte ich einfach schon immer. Und ganz besonders, seit ich in NRW lebe.

6.) 1. FC Köln
Meine fußballerische Sozialisierung fand nun einmal in den 80ern statt. Als der Geißbock lieber die Bayern jagte statt in einer Endlosschleife Fahrstuhl zu fahren.

7.) 1. FC Kaiserslautern
Man muss diesen Club nicht mögen. Aber allein wie das Stadion als sportliches Wahrzeichen einer ganzen Region über der Stadt thront – hat schon was.

8.) Werder Bremen
Die 80er wieder. Und zum daran reiben.

9.) 1. FC Saarbrücken
Diese Drombuschs, Chris, auswärts bei Darmstadt 98, halbstarke Rowdys, Zwille. Oh, das war ein Zweitligaspiel? Egal. Dann eben wegen des Ludwigsparks – der Witta Pohl der hiesigen Stadionlandschaft.

10.) Eintracht Braunschweig
Aller Prolligkeit zum Trotz. Dieser Zuschauerzuspruch hätte einen Erstligisten verdient.

11.) Borussia Dortmund
Grmpf.

12.) Westfalia Herne
Ja warum denn nicht?

13.) VfB Stuttgart
Weil ich hier mein erstes Bundesligaspiel gesehen habe.

14.) Eintracht Frankfurt
Nie Bundesligameister gewesen, aber den Fußball 2000 erfunden haben wollen!? Rein damit.

15.) Waldhof Mannheim
Habe ich die 80er schon erwähnt?

16.) Borussia Mönchengladbach
Wenn, dann aber auf dem Bökelberg.

17.) Bayer Leverkusen
Gutes Auswärtsspiel.

18.) VfL Bochum
Ruhrstadion.

Kühe, Schweine, Chelsea-Fans

Chelsea gilt seit der Regentschaft von Abramczik Abramowitsch-Vorgänger Ken Bates als Anziehungspunkt für neureiche Snobs und Erfolgsfans. Ob das so tatsächlich stimmt, wäre an anderer Stelle zu klären. Fest steht, dass Mitte der 80er eher stadtbekannte Unruhestifter mit dem Hang zum gepflegten Platzsturm den Ton an der Stamford Bridge angegeben haben.

Die Zustände waren offenbar derart aus dem Ruder gelaufen, dass Bates sich nur noch mit der Installation eines Elektrozauns(!) vor der Fankurve zu helfen wusste. Ein pikanterweise nur wenige Tage vor den Katastrophen von Heysel und Bradford aufgenommenes Foto zeigt den sichtlich stolzen Chairman mit seinem metallenen Ungetüm. Letztlich siegte aber die Vernunft und der Zaun musste das Schicksal des Schnellen Brüters teilen – 1985 fertiggestellt, aber nie ans Netz gegangen.

Biertischmaschine

Eine Szenerie wie aus der bizarrsten Passage eines David-Lynch-Drehbuchs – oder einfach 80s as 80s can be:

Pressekonferenz. Im schwülen Pitralon-Ambiente, tief unten in den Katakomben des Ludwigshafener Südweststadions, wurde eine Männerfreundschaft auf eine ganz harte Probe gestellt. Rolf Töpperwien zitierte im Anschluss an Waldhof vs. Bayern das Fußball-Fachmagazin „Hörzu“, wonach Udo Lattek seinen Trainerkollegen Klaus Schlappner als „Biertischmaschine“ bezeichnet haben soll. Natürlich stilecht vom Bierdeckel vorgelesen.

Wo heute Flaschen allseits bekannter Softdrinkhersteller um die Aufmerksamkeit der Kameralinsen gieren, warteten 1986 noch belegte Brötchen ohne Sponsorenaufdruck darauf, ganz profan verzehrt zu werden. Das Wurstmassiv leistete allerdings auch als Versteck veritable Dienste. Gut für Schlappi, damals längst wieder auf demokratischem Boden weilend, der unmittelbar nach Töppis verbalem Leberhaken einen äußerst bemitleidenswerten Eindruck erweckte. Als ob ihm jener – Boden – gerade unter den Füßen weggezogen und er – Schlappi – auf direktem Weg in den Limbus geschickt worden wäre.

Doch nachdem sich alles als „glatte Lüge“ (Udo) herausgestellt hatte, normalisierten sich die Gesichtszüge aller Beteiligten und auch die Brötchen konnten, vermutlich, ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden.

Schön, dass das Internetz solche Perlen für die Nachwelt konserviert (Link zur ZDF-Mediathek). Wie denn nun so eine ominöse Biertischmaschine tatsächlich ausschaut, darüber kann allerdings selbst die ansonsten nahezu allwissende Google-Bildersuche keinen Aufschluss erbringen.