Wie Spielplanhexer aus Fehlern lernen

Kalender: Wird schon schiefgehen

Samstag, 16.05.2009:
3. Liga, 37. Spieltag
13:30 Uhr: Werder Bremen II – Stuttgarter Kickers
1. Bundesliga, 33. Spieltag
15:30 Uhr: Werder Bremen – Karlsruher SC

Stuttgarter und Karlsruher, Württemberger und Nord-Badner, die mögen sich einfach nicht besonders. Sollte sich eigentlich auch bis nach Frankfurt herumgesprochen haben. Nun waren damals aufgrund des bereits feststehenden Abstieges nicht allzu viele Kickers-Fans in den Norden mitgereist, so dass es wohl  zu keinen größeren Scharmützeln kam, als einige KSC-Anhänger vor Anpfiff der Erstligapartie „am Gästeblock vorbeigeschaut haben“. Glück gehabt.

Doch dieses sicherheitstechnische blaue Auge hat den Kommandozentralen von DFB und DFL keinen Erkenntnisgewinn beschert. Anders sind diese Ansetzungen jedenfalls nicht zu erklären:

Samstag, 08.05.2010:
3. Liga, 38. Spieltag
13:30 Uhr: Werder Bremen II – Erzgebirge Aue
1. Bundesliga, 34. Spieltag
15:30 Uhr: Werder Bremen – Hamburger SV

Selbst wenn es für den HSV am letzten Spieltag um nichts mehr gehen sollte, werden natürlich trotzdem Tausende Hamburger den Weg zum Nordderby antreten. Aue ist momentan Tabellenführer der 3. Liga, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Veilchen just in der Hansestadt den Aufstieg in die 2. Bundesliga feiern werden.

Nun herrscht keine bekannte Rivalität zwischen Aue und Bremen respektive Hamburg, dennoch dürfte die Polizei wenig erpicht darauf sein, gleich drei große Fangruppen trennen zu müssen. Da sich die Spielstätte der Werder-Reserve aber dummerweise direkt auf dem Gelände des Weserstadions befindet, wurde die Drittligapartie vorsorglich in den Stadtteil Oberneuland verlegt.

Dort trägt gewöhnlich der FC Oberneuland seine Heimspiele in der Regionalliga Nord aus. Der „Sportpark am Vinnenweg“, der mit 5.050 Plätzen so gerade eben die Vorraussetzungen für die 4. Liga erfüllt, ist aber eigentlich deutlich zu klein für die höchste DFB-Spielklasse:

Zuschauerkapazität des Stadions von mehr als 10.000 Plätzen, davon mindestens 2.000 Sitzplätze.

Aber der DFB wäre aber nicht der DFB, wenn er für die zweiten Mannschaften nicht noch eine Sonderregelung aus dem Hut gezaubert hätte:

Für 2. Mannschaften der Lizenzligen: Zuschauerkapazität des Stadions von über 5.000 Besucherplätzen;

Und die 5.000er-Marke wird von der schnuckeligen Stadtteil-Arena ja um genau 50 Plätze übertroffen. Alles klar also? Nicht ganz:

Benennung Ausweichstadion für Spiele mit erhöhtem Zuschaueraufkommen bzw. Risikospiele.

Und wenn eine lila-weiße Karawane aus dem Erzgebirge kein „erhöhtes Zuschaueraufkommen“ darstellt, was dann? Pech, dass das für diese Fälle als Ausweichstadion benannte Weserstadion bereits anderweitig belegt ist.

Während also immer wieder Vereine vom Aufstieg in den überregionalen Fußball ausgeschlossen oder zumindest unnötig schikaniert werden, weil die Umrüstung ihrer Stadion mit unangemessenen finanziellen Risiken einherginge, setzt sich der DFB hier nonchalant über die selbst gesetzten Anforderungen für drittligataugliche Spielstätten hinweg.

Basisnähe geht anders. Vernünftige Spieltagsplanung erst recht.

III. Wahl

Gut anderthalb Jahre ist sie mittlerweile alt, die eingleisige 3. Liga. Doch bislang hat es der DFB offenbar nicht für nötig gehalten, diese auch durch einen eigenen Internetauftritt angemessen zu präsentieren. Noch nicht einmal eine Microsite oder wenigstens eine Subdomain hat man seinem „Premiumprodukt“ gegönnt.

Die offizielle Anlaufstelle für Drittliga-Interessierte versteckt sich schmucklos in der dritten (Zufall?) Navigationsebene der DFB-Seite, die generell so umwerfend mondän daherkommt, als sei sie direkt aus dem Jahr 1999 in die Jetzt-Zeit gebeamt worden.

Einmal dort gelandet, lädt nicht viel zu einem längeren Verweilen ein. Hintergrundgeschichten, interaktive Elemente oder profanstes Zahlenmaterial wie eine Zuschauerstatistik sucht man jedenfalls vergebens. Böse Zungen würden vielleicht sogar behaupten, dass bereits die Gestaltung des Liga-Logos die ganze Lieblosigkeit dieser Präsenz wiederspiegelt.

Für kleine Lichtblicke sorgt die sparsame Integration von Web-2.0-Technologie: Es gibt einen allerdings etwas umständlich zu entdeckenden RSS-Feed und sogar einen Twitteraccount. Zahl der Follower bislang (Stand 16.02.2010): 225.

Fragt sich, wie die höchste DFB-Spielklasse unter solchen Umständen an Profil gewinnen, wie aus ihr eine eigenständige, starke Marke  werden soll. Als ob das mit Teilnehmern wie Sandhausen, Wehen-Wiesbaden oder den unsäglichen Zweitvertretungen nicht sowieso schon schwer genug werden würde.

Nippon Galore

3. Liga – 09/10
SV Sandhausen – 1. FC Heidenheim
3:0 (1:0)

15.08.09, Hardtwaldstadion (Sandhausen)
2.200 Zuschauer (ca. 150 Gäste)

Eine Stippvisite in Heidelberg ist, neben Neuschwanstein, der Pflichttermin für japanische Urlauber auf gemütlicher Europareise („40 Länder in 7 Tagen“). Das nur wenige Linienbusminuten entfernte Sandhausener Stadion dürfte hingegen nur in wenigen fernöstlichen Reiseführern vermerkt sein.

Dennoch wird dort und auf den Spielerbrüsten großflächig für die „Wurzel der Sonne“ geworben. In Landessprache sogar, die Hofnung stirbt eben bekanntlich zuletzt. Oder wie Konfuzius sagen würde:

Vielleicht tun sich für die geschäftstüchtigen Nordbadener zukünftig auch noch ganz andere Einnahmequellen auf. Nach einem äußerst gelungen Saisonstart belegt man nämlich einen der Spitzenplätze der 3. Liga. Harte DFL-Euro plus scheffelweise Touristen-Yen – es gibt schlimmere Perspektiven.

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Spielberichte: HP Sandhausen | Kicker.de | HP Heidenheim

Die endlose Radsport-Krise

3. Liga – 09/10
Wuppertaler SV – SSV Jahn Regensburg
2:2 (1:1)

29.07.09, Stadion am Zoo (Wuppertal)
4.870 Zuschauer (ca. 40 Gäste)

Bei meiner letzten Stippvisite am Zoo vor über sieben Jahren erinnerten die damals hinter den Toren existenten Steilkurven noch deutlich an die velosportive Vergangenheit der traditionsreichen Arena. In seiner jetzigen Form, mit den beiden an selber Stelle neugeschaffenen Tribünen, präsentiert sich das Wuppertaler Stadion der Drittklassigkeit gleichwohl mehr als gewachsen. Die Gegengerade ist somit das letzte noch verbliebene Kuriosum. Ein Umbau dürfte aber wohl erst nach einem Aufstieg in die 2. Bundesliga ein Thema werden. Und der ist, nicht nur aus finanziellen Gründen, so schnell nicht in Sicht.

Zwar kann der WSV zweimal in Führung gehen, muss dann aber jeweils den etwas unglücklichen Ausgleich hinnehmen. Hauptverantwortlich dafür  sind eklatante (wird dieses Wörtchen eigentlich auch außerhalb von Fußball-Kontexten verwendet?) Schwächen bei Standardsituationen. Wer aber ernsthaft drei Euro für einen Plastikbecher mit abgestandenem Mineralwasser verlangt, hat den Sieg dann auch einfach nicht verdient. Irgendwie.

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Spielberichte: HP Wuppertal | Kicker.de | HP Regensburg

Weil’s einfach Pflicht ist

Der dritte Matchball brachte die Entscheidung. Mit einem 2:0-Sieg über Jahn Regensburg hat Union Berlin den Aufstieg in die 2. Bundesliga erreicht. Herzlichen Glückwunsch!

Ein großer Tag natürlich für alle Freunde der Eisernen, aber auch ein dankbares Ereignis für Fernsehmacher. Sind bei so einem Erfolg eines derart gut unterstützten Vereins doch schöne Bilder und O-Töne mit vielen Emotionen garantiert. Ein von tausenden Anhängern überfluteter Rasen, Schampuspullen im Entmüdungsbecken, ein weinender Präsident, halbnackte Spieler und lustige Interviews. Man kennt das ja. Aber, mal ganz unter uns, als bräsiger TV-Rezipient möchte man doch irgendwie auch gar nichts anderes vorgesetzt bekommen.

Sozusagen also eine Win-win-win-Situation, absolut ausgeschlossen da etwas zu verbocken. Die gestrige Ausgabe der Sportschau bewies dann allerdings, das es sehr wohl möglich ist, selbst diesen fernsehtechnischen Elfmeter ohne Torwart zu versemmeln. Versemmeln ist vielleicht der falsche Ausdruck. Denn verwandelt hat er ihn ja, der an der Seitenauslinie herumvagabundierende Reporter. In einen sensationellen Dialog mit Berlins Trainer Uwe Neuhaus (Gedächtnisprotokoll):

Reporter: Ham‘ Sie sich die zweite Liga schonmal ein bisschen angeschaut? So Spielstärke, Konkurrenz?

Neuhaus: Och, ich interessier mich eigentlich gar nicht für Fußball.

Leider ist dieser aus einer sensationell dummen Frage und einer sensationell schlagfertigen Antwort bestehende Gesprächsfetzen aber nicht einfach nur witzig. Er vermittelt vielmehr einen Eindruck davon, wie ein Journalist, erstmal im sicheren Schoß des öffentlich-rechtlichen Gebührenparadieses angekommen, seine eigenen Scheuklappen auf andere Berufsbilder projiziert. Schon GEZahlt?

Totally 90s

3. Liga – 08/09
VfR Aalen – Rot-Weiß Erfurt
0:2 (0:1)
23.08.08, S***-Arena (Aalen)
3.314 Zuschauer (ca. 400 Gäste)

Mit großer Spannung wurde sie erwartet, die nigelnagelneue dritte Liga. Metropolen treffen auf Kleinstädte, moderne Luxustempel auf bessere Sportplätze. Trotz dieser Gegensätze dürfte das sportliche Niveau ziemlich ausgeglichen sein. Auch diese Partie erwies sich als äußerst umkämpft. Letztendlich machten die besseren Einzelspieler, vor allem aber die Klasse der Thüringer Angreifer den Unterschied aus. Albert Bunjaku (der kurz zuvor im Pokal ein formidables Außenrist-Tor gegen die Bayern erzielte) und Massimo Cannizzaro, diese Namen sollte man sich merken.

Als „bestes Sturmduo der Liga“ lobte Aalens Trainer Euro-Eddi Schmitt genau, der vom Siebenzunull die beiden folgerichtig auf der Pressekonferenz. Widersprechen wollte ihm da niemand. Sein Gegenüber Karsten Baumann, der im letzten Jahrzehnt über 250 Bundesligaspiele absolvierte, liess sich gar zu einem zustimmenden Grinsen verleiten. Ob er allerdings noch lange so viel Freude an seinen Schützlingen haben wird, ist fraglich. Mehrere Späher tummelten sich auf der Haupttribüne, darunter auch Augsburgs Übungsleiter Holger Fach – ebenfalls ein alter Bekannter aus den 90ern.

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