Antisemitismus in Heidenheim?

Wenn auf

das hier

folgt, wird man unweigerlich an eine Debatte von vor anderthalb Jahren erinnert. Damals musste sich 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster als Reaktion auf eine eher mäßige (persönliche Meinung) Polemik gegen RBS Leipzig den Vorwurf des „strukturellen Antisemitismus“ gefallen lassen.

Schauen wir uns das Corpus Delicti doch einfach einmal etwas genauer an. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus den Reihen spätpubertierender Provinzultras ein derart begnadeter Künstler rekrutiert?

Eher klein, denke ich, sagt mir mein mittelgesunder Menschenverstand und nach Stunden aufwändiger Recherche einer Google-Bildersuche ist der Urheber des mateschitzschen Konterfeis auch gefunden: Das Ding stammt höchstwahrscheinlich aus der Feder des österreichischen Karikaturisten Petar Pismestrović.

Bitte entscheiden Sie selbst:

Links: Fragment eines beim Spiel Heidenheim – RBS Leipzig verteilten Geldscheins // Rechts: Dietrich Mateschitz, gezeichnet von Petar Pismestrović

Karikaturen übertreiben, überspitzen bestimmte physiognomische Merkmale der zu porträtierenden Person und hier unterscheidet sich Pismestrović‘ Herangehensweise auch nicht wesentlich von der anderer bekannter Berufskollegen. Betrachtet man auf seiner Webseite eine Galerie von Arbeitsproben, wird eigentlich schnell klar, dass diese Darstellung Matteschitz‘ einfach seinem Stil entspricht.

Die „Hakennase“ wirkt an Mahmud Ahmadinedschad (leider nicht direkt verlinkbar; bitte in der Flash-Galerie selbst erscrollen) als Indiz oder gar Beweis für Antisemitismus jedenfalls extrem schwach auf der Brust.

tl;dr

Man kann den Heidenheimer Fans hier durchaus Unreife, mangelnde Sensibilität, Doppelmoral oder eine Urheberrechtsverletzung vorwerfen. Aber Antisemitismus? Sollte wenn, dann wohl eher in Richtung des Zeichners gehen. Oder man atmet erst mal durch und fragt sich, ob Missverständnisse und Fehler nicht oft auch unbeabsichtigt passieren.*

*deplatzierte Unsachlichkeit entfernt (d.Red.)

Nippon Galore

3. Liga – 09/10
SV Sandhausen – 1. FC Heidenheim
3:0 (1:0)

15.08.09, Hardtwaldstadion (Sandhausen)
2.200 Zuschauer (ca. 150 Gäste)

Eine Stippvisite in Heidelberg ist, neben Neuschwanstein, der Pflichttermin für japanische Urlauber auf gemütlicher Europareise („40 Länder in 7 Tagen“). Das nur wenige Linienbusminuten entfernte Sandhausener Stadion dürfte hingegen nur in wenigen fernöstlichen Reiseführern vermerkt sein.

Dennoch wird dort und auf den Spielerbrüsten großflächig für die „Wurzel der Sonne“ geworben. In Landessprache sogar, die Hofnung stirbt eben bekanntlich zuletzt. Oder wie Konfuzius sagen würde:

Vielleicht tun sich für die geschäftstüchtigen Nordbadener zukünftig auch noch ganz andere Einnahmequellen auf. Nach einem äußerst gelungen Saisonstart belegt man nämlich einen der Spitzenplätze der 3. Liga. Harte DFL-Euro plus scheffelweise Touristen-Yen – es gibt schlimmere Perspektiven.

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