Die Geschichte der Fußball-Videospiele

Fußball-GamepadVon Special-Interest-Medien produzierte Webvideos sind leider allzu oft lieblose Pflichtaufgaben. Dass es auch anders geht, beweisen Gameswelt.TV mit ihrem filmischen Beitrag zur historischen Entwicklung von Fußball-Videospielen.

Ich bin wirklich einigermaßen begeistert: Sensible Soccer, der Spielhallenkracher Super Sidekicks oder das für meinen ganz persönlichen Nostalgieflash sorgende Supper Soccer (Super Nintendo) – es wurden eigentlich alle Spiele von Rang und Namen berücksichtigt, fachmännisch kommentiert und mit Bewegtbildern von konstant guter Qualität präsentiert.

Im noch nicht veröffentlichten zweiten Teil soll es dann um den noch heute tobenden Zweikampf zwischen FIFA Soccer und PES gehen, bis dahin wünsche ich aber zunächst einmal viel Spaß mit Teil 1:

Das größte Spiel in der Geschichte des SV Lohhof

Vielleicht fand es in der Saison 94/95 in der damals drittklassigen Regionalliga Süd gegen Darmstadt 98 oder die Offenbacher Kickers statt. Oder 1999/00 in der selben Division gegen den FC Augsburg. Man weiß es nicht genau.

Auf keinen Fall aber war es ein Freundschaftsspiel gegen Hastenichgesehen vor bezahlten Fan-Darstellern, wie es die Marketing-Abteilung eines Pay-TV-Anbieters gerne hätte.

Filmkritik: 66/67 – Fairplay war gestern (DVD & Blu-ray)

Der Titel lässt Bundesliga-Nerds mit Sicherheit aufhorchen. Und ja, es geht vordergründig um Eintracht Braunschweig. Genauer gesagt um eine Gruppe von sechs erlebnisorientierten BTSV-Fans, allesamt der Generation „Anfang/Mitte Dreißig“ zugehörig.

Auf dieser Basis entwickelt sich ein Drama mit allerhand Zutaten – Freundschaft, Veränderung, Hooliganismus, Liebe, Verlassenwerden, Treue, Verantwortung, Gewalt, Verlust, Erwachsenwerden, Drogen, Homosexualität vs. Männlichkeit, Aids, Wut –, welches sich irgendwann zu allem Überfluss auch noch zu einem Psychothriller wandelt.

Das ist ein bisschen viel für einen Schauplatz wie Braunschweig, ein bisschen zu viel für 110 Minuten Film.

Wirklich schade, denn 66/67 hätte das Zeug zu einem guten Fußball- und zu einem sehr guten Generationenfilm gehabt. Umfeld und Charaktere wirken lebensnah, letzteren nimmt man vor allem ab, dass sie seit 20 Jahren zusammen zu Eintracht ins Stadion gehen. Und das ist ja längst nicht bei allen Spielfilmen der Fall, die sich mit dem Phänomen Fankultur auseinandersetzen.

Abzüge in der B-Note gibt es außerdem für die Darstellung von Hannover-96-Fans, die mit falsch kolorierten Schals in auf ihre Tracht Prügel warten. Die Roten sind eben nicht immer zwangsläufig rot.

Fazit

Gute Ansätze und hervorragende Darsteller – ambitionierter Ensemblefilm im Hooligan-Milieu, der sich leider irgendwann verzettelt. Für Freunde des Genre dennoch sehenswert.

Wertung

6 von 10 Punkten

Infos

66/67 – Fairplay war gestern

Darsteller: Fabian Hinrichs, Christoph Bach, Melika Foroutan, Maxim Mehmet, Aurel Manthei
Regisseure: Carsten Ludwig, Jan-Christoph Glaser
Sprache: Deutsch
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 28. September 2010
Produktionsjahr: 2009

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EM 2012: Analogblog Finale Spanien – Italien 4:0

EM 2012: Analogblog Halbfinale Deutschland – Italien 1:2

Flach spielen, hochsterilisieren

Es ist mal wieder Zeit, mit einem der großen popkulturellen Mythen der Fußballgeschichte aufzuräumen. Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Es war nicht Bruno Labbadia, der uns den wunderbaren Neologismus „Hochsterilisierung“ geschenkt hat. Bernd Hoss, damals Trainer bei Blau-Weiß 90, kannte bereits in der Saison 84/85 diese ganz besondere Form der Entkeimung:

Ob Hoss – hier ist Nomen zur Abwechslung wirklich mal Omen – nun tatsächlich der Vater dieser Wortschöpfung war, vermag ich nicht zu sagen. Er bestärkt mich aber zumindest in der vagen Erinnerung, den Ausdruck bereits vor Brunos legendärem Statement schon aus dem ein oder anderen Reportermund vernommen zu haben.

Das Spielfeldinterview ist übrigens nur der Schlussteil einer auch in seiner Gesamtheit wirklich sehenswerten Zusammenfassung einer Zweitliga-Partie zwischen eben jenem Blau-Weiß 90 und Hertha BSC. Ein echtes Berliner Derby also, wie es vielleicht nächste Saison in leicht veränderter Konstellation wieder stattfinden wird.

Ob Siegen oder Siegen – Hauptsache Siegen

So wie es aussieht, ist der Zug [das Erreichen von Rang 4 oder 3] vermutlich abgefahren. Man weiß nie, was im Fußball passiert. Aber wir sollten uns jetzt zunächst einmal darauf konzentrieren, unseren Europa-League-Platz zu festigen.

Simon Rolfes am 17.03.2012*

Wie kann man den Abstand auf Schalke oder Mönchengladbach verkürzen? Richtig, mit dreifachen Punktgewinnen. Und wie stellt man sicher, dass der Vorsprung auf Hannover und Stuttgart zumindest gleich beibt? Richtig, indem man gewinnt.

Bayer Leverkusen möchte also in den verbleibenden acht Saisonspielen auf das Siegen verzichten, um mit Siegen seine Position zu festigen. Zirkelschluss nennt man so etwas wohl. Oder wie es der Kaiser ausdrücken würde: Chemie ist keine Mathematik, das hat man ganz genau gesehen.

*Lieber Simon Rolfes, btte nicht böse sein, dass ich ausgerechnet Ihre Antwort an einen ZDF-Reporter zitiert habe. Wo sich doch auch viele Andere bereits derartig geäußert haben. Schwachsinn wird aber nun mal nicht weniger schwachsinnig, wenn er sich bereits als Floskel gesetzt hat. Betrachten Sie diesen Blogtext daher vielleicht am besten als Niederlage zur rechten Zeit.

Otto und Töppi: Zurück in die Zukunft?

König Otto ist zurück! Und neben all den nahe liegenden und berechtigten Scherzchen stelle ich mir ernsthaft die Frage, ob sich nun auch sein langjähriger Hofberichterstatter zu einem Comeback hinreißen lässt. Klar, um seinen Sohn wollte er sich kümmern. Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich ein Vollblutreporter wie Rolf Töpperwien mit dem grauen Familienalltag in Osterode zufrieden gibt, während in Berlin auf dem kleinen Finger gepfiffen wird.

Und was ist mit Otto Rehhagel selbst? Wie wird der als wertkonservativ und autoritär geltende Trainer mit einer Bundesliga zurechtkommen, in der so mancher 23-Jährige – noch dazu unverheiratet – bereits als Routinier durchgeht? Wie mit einem Medienkarussell, das seit seinem Rauswurf in Kaiserslautern vor elfeinhalb Jahren noch einmal kräftig an Schwung zugelegt hat?

„Es dauert nicht mehr lange“, wird er vielleicht befürchten, „dann behelligen mich diese Aasgeier vom Fernsehen noch bei laufendem Spiel auf der Trainerbank“. Etwa so wie in dieser schaurig-kühnen Zukunftsvision des ZDF aus der guten alten Zeit (1979).