„Als käme ich vom Mars“

„Man kommt ja gar nicht mehr an die Stars ran. Exklusiv™ schon gar nicht. Und wenn, dann allerhöchstens unter der Fuchtel eines Werbepartners.“

Jo. Stimmt vermutlich. War vor einer Dekade aber bereits auch schon so, wie die Schilderungen von Spiegel-Journalist Ullrich Fichtner über Zustandekommen und Ablauf seiner Audienz beim damals wohl besten Fußballspieler des Planeten eindrucksvoll dokumentieren. Ein zehn Jahre alter Text, immer noch sehr lesenswert: Elf Minuten Zidane.

Werner Biskup: In agro veritas

Werner Biskup ist eine dieser “Kultfiguren der Bundesliga”, mit der ich kraft meiner späten Geburt nicht mehr so wirklich in Berührung gekommen bin. Zu seinen Fähigkeiten als Trainer kann ich also wenig sagen. Wohl aber, dass der am 22. Juni verstorbene Biskup meisterhaft mit Trollen umgehen konnte – lange bevor dieser Begriff in einer durch die Netzkultur beeinflussten Bedeutung den Weg in unseren Sprachgebrauch fand. Anekdote?

Anekdote: Irgendwann ist ein Kumpel von mir als Teil einer angeschickerten Truppe von Abiturienten bei einem von Werner Biskup geleiteten Training aufgelaufen. Nach einigen Sprüchen der Preisklasse “Werner, sauf doch einen mit!” oder “Den hätt’ ich auch noch gemacht!” verdonnerte der immer wieder mit Alkoholproblemen kämpfende Übungsleiter die Burschen kurzerhand zum Mittrainieren.

Völlig geschlaucht von einer halben Stunde Fußball unter Profibedingungen haben sich die halbstarken Großmäuler dann kleinlaut verzogen. Großartige Aktion. Werner 1, Pennäler 0.

RIP, Werner Biskup

They tried to make me go to rehab, but I said…

Ich bin einigermaßen von mir selbst überrascht; oder auch nicht: Nachdem ich am Mittwoch noch absolut keine Lust auf das Turnier in Brasilien hatte, ist heute, nur drei Tage später, auch hier ohne Thermometer leicht erhöhte Temperatur messbar.

Dieser Zustand ist freilich nicht mit dem WM-Fieber von 1990 zu vergleichen. Weil man die rund um den Fußball geschehende Gesamtscheiße inzwischen besser einordnen kann, weil es tatsächlich immer schlimmer wird oder weil man als Erwachsener einfach generell viel von seiner Begeisterungsfähigkeit eingebüßt hat? Keine Ahnung, vermutlich spielt das alles mit rein.

Eine Weltmeisterschaft ist aber eben immer noch geil, #ESP vs #NED jetzt schon ein Klassiker und überhaupt. Machen wir uns nichts vor:

Mein Name ist Jens und ich bin süchtig.

Genauso wie ihr. Fußball ist unser Crystal Meth. Das Fernsehen unser Dealer. Wir bezahlen mit unserer ungeteilten Aufmerksamkeit und am Ende landet die Kohle bei Drogenbaron Sepp.

Hat man sich das erst einmal eingestanden, wird auch klar, warum wir einer “comichaft grotesken Organisation” wie dem Fußballweltverband scheinbar wirklich alles durchgehen lassen. Warum dieser zusammen mit Politik und nationalem Organisationskomitee die Bedenken von Millionen Brasilianern einfach aus dem Weg knüppeln kann. Warum selbsternannte Sportjournalisten im Campo Fernsehgarten noch nicht einmal mehr Distanz vortäuschen und Interviews mit den Beinen im Planschbecken führen.

Meth muss nun einmal auch nicht in parfümiertes Geschenkpapier mit Schleife verpackt werden, um in entsprechenden Kreisen reißenden Absatz zu finden.

Stand heute sage ich selbstverständlich, dass ich ein WM-Turnier in einem auf dem Rücken von Sklaven in die Wüste gerotzten Unrechtsstaat nicht schauen würde. Werde ich das am Tag des Eröffnungsspiels im Jahr 2022 immer noch so sehen? Ich bin mir da nicht mehr so sicher.

Das größte Spiel in der Geschichte des SV Lohhof

Vielleicht fand es in der Saison 94/95 in der damals drittklassigen Regionalliga Süd gegen Darmstadt 98 oder die Offenbacher Kickers statt. Oder 1999/00 in der selben Division gegen den FC Augsburg. Man weiß es nicht genau.

Auf keinen Fall aber war es ein Freundschaftsspiel gegen Hastenichgesehen vor bezahlten Fan-Darstellern, wie es die Marketing-Abteilung eines Pay-TV-Anbieters gerne hätte.

Jimmy Grimble: Bleeding Red

Der wunderbare Jugendfilm There’s Only One Jimmy Grimble hat hierzulande leider nie größere Bekanntheit erlangt. Was unter anderen daran abzulesen ist, dass ihm seit Veröffentlichung im Jahr 2000 gleich zwei deutsche Titel spendiert wurden. Wer Nur Mut, Jimmy Grimble im Fernsehen gesehen hat, sollte sich also nicht wundern, wenn er Fußball ist sein Leben: Jimmy Grimble im DVD-Regal entdeckt.

Der Film erzählt eine typische Außenseitergeschichte mit Working-Class-Touch. Jimmy (City-Fan) wird von seinen Kameraden in der Schulmannschaft (United, na klar) so lange gemobbt, bis er an ein Paar Wunderfußballschuhe gerät und mit diesen alten Botten das Team der Greenock Highschool bis ins Finale des U-16-Schulpokals von Manchester führt.

Spoiler:

Natürlich gewinnt Greenock das dramatische Endspiel nach 0:2-Rückstand noch. Natürlich bekommt Jimmy das Mädchen seiner Träume. Und natürlich sagt unser Held noch im Kabinengang des Maine Road Stadiums dem Scout von Manchester United ab, weil er nur für City spielen möchte.

In Nebenrollen ist mit Robert Carlyle und Ray Winstone die Premier League des britischen Films am Start, die Hauptfigur allerdings wird vom absoluten Newcomer Lewis McKenzie verkörpert. Wirklich außergewöhnlich ist dieser Umstand freilich nicht, dürften 15-Jährige Charakterdarsteller mit jahrelanger Schauspielerfahrung auch auf der Insel eher spärlich gesät sein.

Leider haben sich seit Jimmy Grimble für McKenzie keine nennenswerten Folgerollen ergeben und so sind online nur wenig Informationen über den heutigen Endzwanziger aufzutreiben. Einen Wikipedia-Eintrag etwa sucht man vergebens. Zum Glück gibt es da ja noch twitter:

Im blauen Jimmy steckte also ein roter Lewis. Quite shocking!

Günstig Kiffen

Name verpflichtet: Beim finnischen Drittligisten FC Kiffen hat man ein Herz für seine treuen User Fans und verkauft das sicherlich beliebteste Genussmittel zum günstigsten Preis. Jetzt muss sich nur noch die Mannschaft in einen Rausch spielen.

FC Kiffen Trip

Eingereicht von Nils, unserem Mann in Helsinki.