20 Jahr, Ballaballa, so stand sie vor mir

Man hat gerade Abi gemacht, studiert, langweilt sich in der Berufsschule oder steckt mitten im Zivildienst. Dabei ist es eher wumpe, ob man währenddessen nun 19, 20 oder 21 Jahre alt ist.

„Weißt Du noch, damals, als ich monatelang Panik vor meinem Zwanzigsten hatte und es am Ende doch nicht so schlimm war?“, ist ein Satz, der so oder so ähnlich in der der Geschichte der Menschheit noch nie gefallen sein dürfte.

Ja, der zweite ist im Leben eines Menschen der vermutlich vernachlässigbarste aller runden Geburtstage. Und auch Institutionen, Firmen oder Vereinen ist die Überschreitung dieser Altersschwelle in aller Regel keine Jubiläumsfeier wert.

Lobenswert, dass die ZDF-Männer Horst Vetten und Michael Palme 1983 auf dieses ungeschriebene Gesetz gepfiffen und unserer Eliteliga mit „Ballaballa – Betrachtungen zu 20 Jahren Fußball-Bundesliga“ eine sublim betitelte Retrospektive spendiert haben (Ton bessert sich nach einigen Augenblicken).

Teil 1:

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:

Tourbericht: Wiesbaden & Nürnberg

Endlich mal wieder Zeit für Schalke, endlich mal wieder Zeit für eine Auswärtsfahrt. Nach einigem Hin- und Herüberlegen entschied ich mich, am Freitag vor der königsblauen Stippvisite in Nürnberg noch eine Partie des SV Wehen Wiesbaden mitzunehmen.

Die dortige Fertigbau-Arena habe ich bereits Ende 2007 während eines Zweitligaspiels begutachten dürfen. Durch einen kompletten Festplattencrash – der mich, nebenbei erwähnt, zum Datensicherungsstreber werden ließ – sind allerdings sämtliche Fotos von damals über die Wupper. Von daher „musste“ ich so oder so noch einmal ein Heimspiel des SVWW besuchen.

Die Hinfahrt mit Umstieg in Mainz verlief weitestgehend ereignislos, sieht man einmal von einem völlig euphorisierten Zugführer ab, der die nahende Ankunft in Wiesbaden fast schon ekstatisch zelebrierte. Gerne hätte man den Grund dafür herausgefunden, doch trotz gewohnt pünktlicher Ankunft blieb wenig Zeit für Sightseeing – ab in’s Stadion!

Von der durch Klassizismus und Jugendstil geprägten und gemäß Reiseführer sehr harmonisch wirkenden Innenstadt bekommt man auf dem direkten Weg von Hauptbahnhof zum Stadion leider nichts mit. Dafür läuft, respektive fährt der geneigte Fußballfan an der Zentrale des Statistischen Bundesamtes entlang.

Vielleicht trägt der kühl und technokratisch wirkende Hochhauskomplex eine Mitschuld an Wiesbadens suboptimalem Abschneiden bei „Hessens schönste Städte“. Die Zuschauer der Kultsendereihe des hr wählten ihre Landeshauptstadt jedenfalls nur auf Rang 16. Hinter Käffern wie Bad Orb oder Schlitz. Was wohl unser Lokführer dazu sagen würde?

3. Liga – 2011/2012
SV Wehen Wiesbaden – SpVgg Unterhaching
0:0
10.04.2012, Brita-Arena
2.300 Zuschauer (ca. 20 Gäste)

Tja, was soll man zu solch einem Spiel großartig schreiben? Am besten nur das Nötigste: keine Tore, kaum Chancen, Abstiegskrampf pur, wenig Zuschauer, die, wenn überhaupt vernehmbar, fast ausschließlich zusammengeklautes Liedgut präsentierten. Schnell weg hier.

Die Übernachtungsfrage wurde wie üblich bereits im Vorfeld geklärt und über HRS ein Hotelzimmer gebucht. Die Anforderungen waren klar:

  • zentral gelegen mit guter ÖPNV-Anbindung
  • 24h-Rezeption, da die Anreise erst am späten Abend/in der Nacht erfolgen würde
  • gutes Preis-/Leistungsverhältnis
  • zumindest ordentliche Bewertungen

Die Wahl fiel schlussendlich auf das Hotel Diplomat in Frankfurt, das allen Ansprüchen gerecht werden konnte. Zudem konnte ich von Wiesbaden HBF direkt ohne umzusteigen zu einem S-Bahnhof in unmittelbarer Nähe fahren. Das doch recht kleine, aber saubere Zimmer wurde als absolut ausreichend für eine erholsame Nacht befunden und nach einem Absackerbier gingen im Ostend auch rasch die Lichter aus.

Bevor es am nächsten Morgen weiter gen Nürnberg gehen sollte, stand noch ein kurzer Ausflug nach Frankfurt-Rödelheim auf dem Programm. Immer wieder toll: Der ÖPNV in Frankfurt. Schnelle Taktungen, gute Umstiegsmöglichkeiten, halbwegs saubere Fahrgastbereiche. Ja, ich glaube, von allen deutschen Großstädten mit über 250.000 Einwohnern hat Frankfurt den besten Nahverkehr.

Rödelheim erhielt seinen Namen durch ein früher in Deutschland weltbekanntes Hip-Hop-Duo und, naja, ist nicht unbedingt ein Ort zum Urlaub machen. Der bereits erwähnte Festplattendefekt führte mich gleichwohl zum zweiten mal in meinem Leben in diese pittoreske Ecke der Bankenmetropole. Keine ist, keine andere ist.

Das Stadion am Brentanobad war dann auch zum Glück geöffnet und in einer guten Viertelstunde zufriedenstellend abfotografiert. Ganz so reibungslos verlief die weitere Reise in Richtung Frankenland dann allerdings nicht, der IC hatte am Ende über eine halbe Stunde Verspätung.

Dennoch blieb genügend Zeit, um vor dem Spiel das Reichparteitagsgelände samt Zeppelinfeld zu erkunden und auch noch auf dem Vereinsgelände des 1. FC Nürnberg vorbeizuschauen. Rund um den Sportpark Valznerweiher hat der Glubb ein neues zentrales Funktionsgebäude mit allem Zipp und Zapp (Jugendinternat, Lizenzspielerbereich, Museum, Verwaltung) errichtet. Durchaus beeindruckend.

1. Bundesliga – 2011/2012
1. FC Nürnberg – FC Schalke 04
4:1 (3:0)
11.04.2012, Stadion Nürnberg
44.031 Zuschauer (ca. 3.500 Gäste)

Nach einer erneuten Derbyniederlage war bereits vor diesem Spiel die Luft aus der eigentlich recht erfolgreich verlaufenden Saison raus. Zumindest der zur CL-Qualifikation berechtigende 4. Tabellenplatz war Schalke kaum noch zu nehmen. Und das merkte man Huub Stevens‘ Truppe dann auch an. Mit „katastrophal“ ist diese Leistung noch wohlwollend umschrieben. Ganz anders die Mannschaft des FCN, der mit diesem beherzten Auftritt ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt gelang.

Deutlich interessanter als der dargebotene Sport war aber ohnehin das Geschehen auf den Rängen. Schalker und Nürnberger Anhänger forderten gemeinsam lautstark das „Max-Morlock-Stadion“:


Auch auf dem Hauptbahnhof blieb die Atmosphäre im Anschluss ausgelassen und friedlich. Vermutlich hat die Fanfreundschaft schon bessere Tage erlebt, dennoch ist es immer wieder eine nette Erfahrung, wenn man als Auswärtsfan wohlwollend und ohne Anfeindungen empfangen wird. In diesem Sinne: Schalke und der FCN!

Der FC Augsburg ist noch nicht in der 1. Bundesliga angekommen

Auch 474 Tage nach der Premierenpartie scheint man sich in der Stadt der aufgehenden Fugger standhaft gegen den Wahnsinn des Erstligafußballs zu wehren. Zumindest lädt der Quelltext der Startseite von fcaugsburg.de zu derartigen Vermutungen ein:

Keywords fcaugsburg.de // Stand: 22.11.2012, 14:01 Uhr

 

Es ist kein Mensch, es ist kein Tier, es ist ein Bayer-Volunteer

Wir sehen hier nicht etwa gelehrige Teenager, denen man einen gewissen naiven Enthusiasmus ob der Aussicht auf Partizipation an der schillernden Bundesliga-Welt noch irgendwie nachsehen könnte. Nein, gestandene Mannsbilder sind bei Heimspielen der Bayer 04 Leverkusen Fussball [sic!] GmbH kostenneutral dafür verantwortlich, die hinter der Torauslinie drapierten und von sich warmlaufenden Ersatzspielern in Mitleidenschaft gezogenen Sponsorenteppiche fernsehgerecht in Form zu zupfen. Der Finanzbeamte von nebenan, unser Lehrer Dr. Specht. Erwachsene Männer mit einer gewissen Lebenserfahrung. Sollte man meinen.

Ein Foto, so unendlich scheiße. Und das ist schon großzügig abgerundet.

Sonntagsschuss: Lumpis Rekord

Die Amis haben’s gut: Ein Rebound ist ein Rebound ist ein Rebound. Ein RBI ist…

Beim Fußball hingegen ist das ja immer so eine Sache mit den individuellen Statistiken. Bis heute konnte mir niemand überzeugend vermitteln, wie sich genau ein „Zweikampf“ definiert. Wo fangen lange Pässe an, wo hören kurze auf?

Was mit der berühmt-berüchtigten „ran-Datenbank“ begann, ist spätestens seit dem Auftauchen von Unternehmen wie Opta in eine absurde Superlativjagd ausgeartet. Rekord: Vier Kopfballtore in sieben Spielen mit ungewaschenen Ohren (saisonübergreifend). You name it.

Mit ein und demselben Verein von der 4. in die 1. Liga aufzusteigen und in jeder dieser Spielklassen auch zu spielen, ist aber anscheinend tatsächlich noch keinem Profi gelungen. Bis gestern. Hut ab, Andreas „Lumpi“ Lambertz!

Damit war 2004 noch nicht unbedingt zu rechnen, als Du mit einem Affen auf der schmächtigen Brust für Fortuna in der Oberliga Nordrhein gezaubert hast:

Tes

Szene aus der Saison 2003/04, Oberliga Nordrhein: GFC Düren – Fortuna Düsseldorf

Kyriakos Papadopoulos: Baby of the class

Nett, was die UEFA im Jahre 2008 während der damals stattfindenden U-19-Europameisterschaft beobachtete:

Baby of the class in the tournament’s youngest team, Papadopoulos belied his 16 years with eye-catching performances in the Greece rearguard. The English-style centre-back showed perfect timing and positional play with a goal-saving tackle against Italy.

Von den anderen aufgelisteten „potential stars of the future“ (unter anderem dabei: ein gewisser Richard Sukuta-Pasu) hört und liest man heute eher weniger.

Die Manfred-Manglitz-Medaille 2011/2012

Deutschland gilt als Torhüternation. Spanien eher nicht so. Und dennoch wird aus-ger-ech-net in der Primera Division bereits seit über 50 Jahren ein Preis verliehen, dessen Pendant hierzulande schmerzlich vermisst wird: Die „Trofeo Zamora“ für den Torhüter mit den wenigsten Gegentoren.

Namensgeber Ricardo Zamora war in der Premieren-Saison 1928/29 Torwart bei Espanyol Barcelona und hätte diese Trophäe mit 1,6 Gegentoren pro Spiel als Erster erhalten – Konjunktiv deshalb, weil der Award erst 30 Jahre später von der berühmt-berüchtigten Sportzeitung „MARCA“ ins Leben gerufen wurde.

Da die Sportzeitung „Stadioncheck“ traditionell ein Herz für Torhüter hat, möchten wir uns an dieser schönen spanischen Tradition orientieren und fortan eine vergleichbare Torhüter-Auszeichnung vergeben. Besonders super: Es gibt keine Jury, keine „Fan-Votings“, es zählen einfach nur harte Fakten.

Fehlt nur noch die passende Bezeichnung. Und auch hier trauen wir uns, die Spanier ganz frech zu kopieren. In der ersten Bundesliga-Saison erreichte Manfred Manglitz vom Meidericher SV mit 1,2 den besten Gegentore-Schnitt aller Torhüter, die mindestens ein Drittel aller Saisonspiele absolviert haben. Unser Preis wird demnach zu Ehren des vierfachen Nationalspielers den Namen Manfred-Manglitz-Medaille tragen.

Um das Ganze nicht unnötig in die Länge zu ziehen: Die Manfred-Manglitz-Medaille für die Saison 2011/2012 geht an…

Manuel Neuer.

Es war knapp. Sehr knapp sogar. Noch am letzten Bundesliga-Spieltag hatten drei Torhüter reelle Chancen auf die, ähm, begehrte Auszeichnung. Letztendlich konnte sich der Bayern-Schlussmann aber gegen seine Verfolger Roman Weidenfeller und Marc-André ter Stegen durchsetzen.

Name Spiele Gegentore Schnitt
ter Stegen 34 24 0,706
Weidenfeller 32 22 0,688
Neuer 33 22 0,667

Herzlichen Glückwunsch.

Ganz schön schön. Schön scheiße.

„Nur mit schönem Fußball geht es nicht.“

Sagte gestern, natürlich, Erfolgstrainer Pep Guardiola Jürgen Klopp Thorsten Fink. Ich habe das Spiel nicht gesehen, kann mir aber durchaus vorstellen, dass danach eine mit den Mitteln der Einschaltquotenerfassung nicht bezifferbare Minderheit mit Tränen in den Augen vor dem Fernseher gekniet und dem Allmächtigen für die Erfindung des Sky-Receivers gedankt hat.

Eine knappe und äußerst unglückliche 4:0-Niederlage bei zuletzt bärenstark auftretenden Hoffenheimern? Das riecht, nein, es stinkt geradezu nach wunderschön anzuschauendem Offensivfußball. So zu verlieren ist sicher auch für Chelsea III keine Schande.

„Wir spielen zu sexy/schön/attraktiv um erfolgreich zu sein“ – der schmierigste und gleichzeitig durchschaubarste Deckmantel seit es Fußball gibt.