Dem Goalkeeper ist nichts zu fair

Tschuldigung. Aber interessant, dass auch der Elfmeter wie viele Neuerungen unter nicht unwesentlichen Akzeptanzproblemen gelitten hat:

When the penalty kick was introduced in 1891 some goalkeepers would refuse to attempt a save, in protest at their team mate’s unsporting behaviour in fouling an opponent to prevent a goal.

Quelle: Bray, Ken: How to Score – Science and the beautiful game, Seite 1

555-Schuh

Dieser Text beginnt mit einer kleinen als Quiz getarnten Suggestivfrage – Den Bericht zu welchem Spiel der WM 2010 ziert wohl diese knackige Headline?

Fix das interne Assoziation-Aggregat angeworfen… kann eigentlich nur Italien gegen die Niederlande sein. Ein eher langweiliger Kick im Achtelfinale, der bereits knapp einen Monat nach Turnierende völlig zurecht in Vergessenheit geraten ist.

Wenn man nun aber weiß, oder sich zumindest ins Gedächtnis ruft, dass dieses Spiel so niemals stattgefunden hat, bleibt man zunächst ein wenig ratlos zurück. Das muss ja aber kein Dauerzustand sein:

„Portugal – Brasilien“ wäre also die richtige Antwort gewesen. Leider mag sie weder zum Einen noch zum Anderen passen, diese kraftvolle Titelzeile voller Metaphern und Anspielungen, die übrigens auch im Artikel nicht aufgelöst werden.

Wenn man nun aber weiß, oder zumindest gesagt bekommt, dass diese Fotos Seite 94 des vom Kicker Sportmagazin herausgegeben Standardwerkes „Fussball-WM Südafrika 2010“ partiell abbilden, wenn man weiß, oder sich zumindest ins Gedächtnis ruft, wie der als Kommentator ebenfalls an diesem Buch beteiligte Herausgeber jenes Sportmagazins heißt, dann wird aus einem vermeintlichen Mysterium ganz schnell eine simple Entweder-Oder-Frage:

Wette verloren oder Meuterei gegen den Boss?

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Für Italienfans: Calcio (B. Schönau)

Birgit Schönau, langjährige „Freie“ bei der Süddeutschen Zeitung, vereint in ihrer Person drei profan erscheinende Eigenschaften, die aber für  das Gelingen einer solchen Veröffentlichung von elementarer Bedeutung sind.

Die Dame kann schreiben und sie hat Ahnung – von Fußball, von Italien sowieso. Vor allem aber vermag sie dieses Wissen in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen und schafft so mühelos den Spagat zwischen Catenaccio und Carpaccio.

Drei Dinge also, von denen bücherschreibende Sportjournalisten oft maximal eines besitzen. Und das ist schon großzügig aufgerundet.

To put long in short: kaufen!

Calcio: Die Italiener und ihr Fußball
Birgit Schönau, 2005
Verlag: KIEPENHEUER & WITSCH
Seitenzahl: 222
ISBN-13: 9783462036404
ISBN-10: 3462036408

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Wer hat da von wem geklaut?

In der örtlichen Bibliothek meines Vertrauens hat es mich mit seinem schicken, schwarzen Ledereinband unwiderstehlich angelächelt. Die Rede ist von „Fußball Unser“, eine kleine Kostprobe aus dem Werk gab es an dieser Stelle ja bereits gestern.

Zwei Zugfahrten später habe ich das Ding auch schon durch. Bereits nach wenigen Seiten beschlich mich das Gefühl, diese Mischung aus witzigen Anekdoten und ausgefallenen Statistiken so (oder zumindest so ähnlich) schon einmal irgendwo anders gelesen zu haben. Den Auslöser für dieses Déjà-vu finde ich im eigenen Bücherregal: Christoph Biermanns „Fast alles über Fußball“ verfolgt exakt das gleiche Konzept. Selbst die Seitenspiegel sind sich erstaunlich ähnlich.

Doch wer hat hier wen kopiert? Beide Titel sind 2005 erschienen, Biermanns Buch ist gerade einmal zwei Monate älter. Viel Zeit zum Abschreiben blieb da also nicht. Vermutlich hatten beide Herausgeber ganz einfach die gleiche Idee. Unabhängig voneinander, soll vorkommen. Mir gefällt übrigens das kleine Schwarze einen Tick besser. Vielleicht auch nur wegen seiner edlen Verpackung mit den netten Goldapplikationen.


Fast alles über Fußball
Christoph Biermann, 2005
Verlag: KIEPENHEUER & WITSCH
Seitenzahl: 200
ISBN-13: 9783462036398
ISBN-10: 3462036394


Fussball Unser
Eduard Augustin, Philipp von Keisenberg und Christian Zaschke, 2005
Verlag: Süddeutsche Zeitung
Seitenzahl: 192
ISBN-13: 978-3866152205
ISBN-10: 3866152205