Sonntagsschuss: Exempel

Vom Platz gestellter Spieler: „Schiri, ich hab nichts gemacht. Das war eine ganz normale Bewegung im Zweikampf.“

Gegnerischer Spieler: „Da war wirklich nichts.“

Schiedsrichter: *Trotz der Entlastung durch den Mannschaftskapitän des Gegners und der Tatsche, dass niemand im Stadion außer dem Linienrichter die vermeintliche Tätigkeit gesehen hat, ziehe ich das mit dem Platzverweis in der Nachspielzeit eines sportlich längst entschiedenen Spieles eiskalt durch.*

 

Oder halt als Foto:

Sonntagsschuss: Abstieg

Westfalia Herne ist aus der Oberliga Westfalen abgestiegen

Viel ist seit der Winterpause bei Westfalia Herne passiert. Neuer Trainer, neue Spieler, fünf Niederlangen in Folge nach einer Serie von sieben ungeschlagenen Spielen. Durch den freiwilligen Rückzug des VfB Hüls hatte man vor dem finalen Spieltag der Oberliga Westfalen den Klassenerhalt dennoch in der eigenen Hand. Allein dieser Umstand musste nach einer Vorrunde mit nur sechs(!) Punkten bereits als Erfolg gewertet werden.

Westfalias seit Jahren vor sich hin darbende Fanszene hatte noch einmal alles mobilisiert und zeigte im Dortmunder Stadtteil Aplerbeck dreistellig Präsenz. Die Mannschaft bot ein gutes, ein mitreißendes, in der zweiten Halbzeit sogar hervorragendes Spiel. Zumindest in der Offensive. Denn „dass man keine Querpässe im eigenen Strafraum spielt, lernt man schon bei Schonnebeck in der E-Jugend“ – 83. Minute, das 2:3 für Aplerbeck, die Entscheidung. Konkurrent SV Zweckel wird seine Partie sicher gewinnen und somit hätte nur ein Sieg Herne gerettet.

Trainer Holger Wortmann betont während der Pressekonferenz noch einmal, dass man den Abstieg nicht dem heutigen Ergebnis, sondern der desaströsen Hinserie zu verdanken habe. Er mag recht haben, aber… kein Trost. Abstieg.

Joachim Hopp vs. Collinas Erben


Es war eine schöne Zeit, als man beim Stichwort „Hopp“ noch unwillkürlich an einen Duisburger Abwehrspieler und nicht an einen nordbadischen Philanthropen dachte. Nach Gastspielen bei einigen anderen unterklassigen Clubs leitet MSV-Legende Joachim Hopp inzwischen das Training beim Oberligisten 1. FC Wülfrath.

Auch in der 5. Liga tut er dies mit genau dem Einsatz und der Leidenschaft, die ihn bereits als Spieler ausgezeichnet haben. Das ist nicht selbstverständlich für einen, der 160 Einsätze in der 1. und 2. Bundesliga vorzuweisen hat. Marginale Unzulänglichkeiten beim Umgang mit dem Regelwerk verzeihen wir schon allein deshalb und führen diese auf die Hitze des Gefechts zurück. Hoppi, bleib einfach wie Du bist.

Der regelmäßige Konsum vom Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben sei an dieser Stelle allerdings auch allen alten Hasen im Fußballgeschäft empfohlen. Das erklärende Audiomaterial, das uns vom Team freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, stammt aus der Folge „Die Taktik des Schiedsrichters“. Vielen Dank!

Sonntagsschuss: Lumpis Rekord

Die Amis haben’s gut: Ein Rebound ist ein Rebound ist ein Rebound. Ein RBI ist…

Beim Fußball hingegen ist das ja immer so eine Sache mit den individuellen Statistiken. Bis heute konnte mir niemand überzeugend vermitteln, wie sich genau ein „Zweikampf“ definiert. Wo fangen lange Pässe an, wo hören kurze auf?

Was mit der berühmt-berüchtigten „ran-Datenbank“ begann, ist spätestens seit dem Auftauchen von Unternehmen wie Opta in eine absurde Superlativjagd ausgeartet. Rekord: Vier Kopfballtore in sieben Spielen mit ungewaschenen Ohren (saisonübergreifend). You name it.

Mit ein und demselben Verein von der 4. in die 1. Liga aufzusteigen und in jeder dieser Spielklassen auch zu spielen, ist aber anscheinend tatsächlich noch keinem Profi gelungen. Bis gestern. Hut ab, Andreas „Lumpi“ Lambertz!

Damit war 2004 noch nicht unbedingt zu rechnen, als Du mit einem Affen auf der schmächtigen Brust für Fortuna in der Oberliga Nordrhein gezaubert hast:

Tes

Szene aus der Saison 2003/04, Oberliga Nordrhein: GFC Düren – Fortuna Düsseldorf

Kritik: Sonderheft Regionalliga West von Reviersport & Fussifreunde

Zum Start der neuen Regionalliga West haben die Reviersport und Fussifreunde Köln ein gemeinsames Sonderheft herausgegeben. Für eine ausführlich formulierte Blattkritik fehlt uns leider die Zeit, auf eine Beurteilung dieses interessanten Print-Projektes wollten wir dennoch nicht komplett verzichten. Wir haben uns daher in bester Gemeinschaftskunde-Manier für eine Pro- und Contra-Liste entschieden. Deutschlands Sozialpädagoginnen wären stolz auf uns.

Die Fakten

  • 64 Seiten
  • Tabloid-Format, auf Zeitungspapier gedruckt
  • Verkaufspreis: 2,00 EUR

Pro

  • Das Layout wirkt angenehm modern und luftig.
  • Die Kooperation zweier Magazine mit unterschiedlichem regionalen Fokus verleiht dem Produkt Glaubwürdigkeit und „Breite“.
  • Gute Doppelinterviews mit den Trainern der vermeintlichen Top-Teams – Scholz (Viktoria Köln) vs. Koschinat (Fortuna Köln) und Wrobel (RWE) vs. Basler (RWO).
  • Sprachlich ist zwar noch Luft nach oben, die Texte sind dennoch auf einem höheren Niveau als in einer regulären, unter größerem Aktualitätsdruck produzierten Reviersport-Ausgabe (zu Fussifreunde kann ich diesbezüglich nichts sagen).
  • Der Preis: 2,- EUR sind fair und angemessen.

Contra

  • Die Statements der im Rahmen der Mannschaftsvorstellungen befragten „Insider“ sind teilweise unbrauchbar. Wenn etwa der Essener Fanbeauftragte Lothar Dohr meint, die anderen Mannschaften für eine Prognose zu wenig zu kennen, ist das einfach nicht hilfreich.
  • Leider wurde auf den von Sport 1 bekannten, nervigen Pathos nicht komplett verzichtet. „Die beste Regionalliga aller Zeiten“ – so etwas hat das Heft überhaupt nicht nötig.
  • Auch als regionalligainteressierter Mensch kenne ich viele der Spieler überhaupt nicht. Bei den Mannschaftskadern hätte ich mir daher eine Spalte gewünscht, in der die bisherigen Einsätze des Spielers im höherklassigen Fußball (ab RL aufwärts) aufgelistet sind.
  • Die für die meisten Fließtexte verwendete Schriftgröße bewegt sich am unteren Ende der Zumutbarkeit. Hier hätte man gerne einen halben Punkt nach oben gehen dürfen. Der dafür benötigte Platz hätte problemlos bei grafischen Elementen wie der opulent zweispaltigen Darstellung der Wunschelf eingespart werden können:

Fazit

Trotz der aufgeführten Schwächen fühle ich mich gut über die NRW-weite Liga informiert. Die Regionalliga West 2012/13 kann starten! (äh, ja, hat sie schon, wir sind etwas spät dran)

Wertung

7 von 10 Punkte

Mein BAK, dein BAK – ein offener Leserbrief an den Berliner Kurier

Lieber Berliner Kurier, lieber Sportchef des Selbigen,

es ist ja nicht so, als könnte ich euer an Borniertheit grenzendes Desinteresse überhaupt nicht nachvollziehen: Die Berliner Vereinslandschaft ist mit wenigen Ausnahmen in etwa so spannend wie eine Folge Praxis Bülowbogen. Das gilt leider insbesondere für den Amateurfußball.

Vor allem im Vergleich mit Regionen wie Hamburg, dem Ruhrgebiet oder quasi dem kompletten Osten um die Hauptstadt herum verwundert es nicht, dass diese Ansammlung identitätsloser Quatschvereine seine Ligaspiele regelmäßig unter Ausschluss der Öffentlichkeit austrägt. Verwöhntes Eventpublikum hin oder her.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich das Vergnügen, ein Heimspiel des momentanen Klassenprimus Berliner AK zu besuchen. Bei der Regionalliga-Partie gegen die zweite Mannschaft des Hamburger SV gab es offiziell eine kreisligareife Kulisse von 200 Besuchern zu bestaunen. Die Zahl an sich dürfte sogar hinkommen, bedenken sollte man allerdings, dass ein Großteil der Anwesenden an der Kasse einfach durchgewunken wurde.

Nun hat aber eben jener Berliner AK im DFB-Pokal etwas ganz Erstaunliches vollbracht und die TSG Hoffenheim vor 1.468 Zuschauern förmlich aus dem Wettbewerb geschossen. Das 4:0, ihr werdet es vielleicht mitbekommen haben, ist der bis dato höchste Sieg eines Viertligisten gegen ein Team aus der 1. Bundesliga.

Eine grandiose Leistung, die von euch unter anderem im Artikel „Hoffenheim kommt vor dem Fall“ verarbeitet wurde.

Dass dieses Etwas (es handelt sich wohl um eine Art Kolumne) handwerklich – sprachlich wie argumentativ – auf dem Niveau einer Schülerzeitung daherkommt, wäre eigentlich schon schlimm genug. Ärgerlicherweise gelingt es euch zudem während der kompletten 1112 Zeichen, mit traumwandlerischer Sicherheit das Thema zu verfehlen.

Häme gegen Hoffenheim mag gerade in einem meinungsbetonten Text bis zu einem gewissen Grad angebracht sein, allein die unglaublich vorhersehbare und plumpe Darreichungsform („Millionarios“) dürfte die Toleranz-Grenze so manchen Lesers aber bereits übersteigen.

Völlig unpassend hingegen erscheint am vermutlich größten Tag in der Vereinsgeschichte des Berliner AK das von Anfang bis Ende aus einer wirren Hertha-Perspektive betriebene Babbel-Bashing. Was hat das sicherlich etwas unschöne Auseinandergehen von dieser sportclubgewordenen Pokalblamage und dem aktuellen TSG-Trainer bitteschön mit dem gestrigen Spiel zu tun?

Wortspiele direkt aus der Wortspielhölle („Debabbel“) wechseln sich nahtlos mit unmotiviert eingestreuten Andeutungen über längst verlorene Hertha-Spiele („positiv besetzter Platzsturm“) ab und werden doch von einem schon jetzt legendären Ausfall mühelos getoppt:

Aber, hihi, Hoffenheim, haha, Babbel, prust, 0:4, muahahaha!

So viel Kraft. So viel Poesie. So viel Fremdschämen.

Berliner Kurier, Sportchef, ich bitte euch! Wenn es denn immer und unbedingt boulevardesk zugehen muss, dann konzentriert euch doch hier in Gottes Namen auf den Berliner Athletik-Klub. Diese Mannschaft hat Historisches geleistet und ein bisschen mediales Abgefeiertwerden durchaus verdient.

Wie wäre es also, sich zum Beispiel mit der Truppe zum gemeinsamen Köfte-Essen zu verabreden? Natürlich dürfen auch einzelne Spieler dem geneigten Leser etwas nähergebracht werden. Ich denke da etwa an: „Koloss Kruschke. Seine Liebe. Sein Körper. Seine Wut.“. Oder lasst euch von Präsident Mehmet Ali Han doch einfach für eine Homestory durchs renovierte Poststadion führen.

Viele Grüße und da nich‘ für

Eure Stadioncheck-ReBAKtion

Eigene Gesetze des Pokals entschlüsselt

Heute startet die 70. Austragung des nationalen Fußballpokalwettbewerbs. Und wie immer wird in unseren Qualitätsmedien über mögliche Pokalsensationen schwadroniert, bevor diese überhaupt stattgefunden haben. Weinheim, Vestenbergsgreuth, Trier, eigene Gesetze, Folklore, Folklore, Blabla.

Andererseits: Dass ein Regional- einen Erstligisten schlägt, passiert eben wirklich nur im DFB-Pokal. Das liege aber in erster Linie daran, wie amerikanische Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben, dass in keinem anderen Wettbewerb Teams aus derart unterschiedlichen Leistungsklassen aufeinandertreffen.

Myth busted.

Günstig Kiffen

Name verpflichtet: Beim finnischen Drittligisten FC Kiffen hat man ein Herz für seine treuen User Fans und verkauft das sicherlich beliebteste Genussmittel zum günstigsten Preis. Jetzt muss sich nur noch die Mannschaft in einen Rausch spielen.

FC Kiffen Trip

Eingereicht von Nils, unserem Mann in Helsinki.

SpVgg Donaudampfschiffkapitänsmütze – Gemischtwaren-Blog – R. Töpper, Wien

Der LASK Linz fristet ein ähnliches Dasein wie der UIC-Cup oder das HIV-Virus, steht das L im Akronym LASK doch bereits für „Linzer“. Über diese kleine Ungereimtheit schauen wir jedoch gerne hinweg, immerhin ist der Linzer ASK Linz einer von wenigen Vereinen Österreichs, der (noch) auf den Verkauf seines guten Namens verzichtet.

Nachhilfeunterricht könnten die Linzer allerdings bei ihrem Gegner in der ersten Runde des ÖFB-Cups nehmen. Dem frisch zwangsabgestiegenen Drittligisten wurde AUSGERECHNET ein Club zugelost, der das Verramschen seiner Identität offensichtlich längst perfektioniert hat: the one and only SV Spittal – Fliesen Nessl – Karosseriebau Toni Kluge.

Mehr. Geht. Nicht.

SV Spittal – Fliesen Nessl – Karosseriebau Toni Kluge. Schon jetzt unser WTF-Moment des Monats.