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Konkretisierte Auswertung und Beobachtungen

Bei einer 2005 durchgeführten Umfrage mit dem Namen „Wie ich Blogge?!“ nahmen 54,4 Prozent Männer teil, das Blog-Ranking-Tool Blogoscoop verzeichnet sogar einen Männeranteil bei den registrierten Bloggern von 79,2 Prozent. Die sich durch Frage 2 ergebende Geschlechterverteilung von 61,8 Prozent männlichen und 38,2 Prozent weiblichen Teilnehmern liegt somit im Rahmen des Erwartbaren.

Auffällig ist, dass die Ergebnisse im Bereich des Kernthemas der Bachelor-Arbeit, also bei Konfliktsituationen, ein unterschiedliches Nutzungsverhalten bei Männern und Frauen andeuten. Und das sowohl passiv als Medienkonsument, als auch als aktiver Blogger.

So beurteilen Frauen bei Frage 7 die eigenen Bloginhalte als deutlich unkritischer als die Männer:

144 Männer: Arithmetisches Mittel 0,29

89 Frauen: Arithmetisches Mittel -0,03

Die beiden Durchschnittswerte der nach einer Likert-Skala getroffenen, persönlichen Einschätzung weisen demnach eine Differenz von 0,32 auf. Der im Anschluss durchgeführte t-test ergab jedoch keine statistische Signifikanz.

Die Ergebnisse von Frage 8, die das Bewusstsein für Medienberichte über Blog-Konflikte abfragt, zeichnen ein noch klareres Bild:

144 Männer: Arithmetisches Mittel 0,21

89 Frauen: Arithmetisches Mittel -1,01

In diesem Fall weist die Differenz sogar einen Wert von 1,22 auf. Der durchgeführte t-Test ergab bei einem T-Wert von -3,955 eine sehr hohe Signifikanz. Demnach hängt die Aufmerksamkeit, mit der derartige Medienberichte verfolgt werden, mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99 Prozent vom Geschlecht ab. Demnach wäre die Wahrscheinlichkeit, einen mindestens so großen wie den beobachteten Unterschied zu erhalten, bei tatsächlicher Unabhängigkeit zwischen Geschlecht und der Verfolgung derartiger Medienberichte, kleiner als 1 Prozent.

Bei Frage 11 gaben 70,9 Prozent der Männer an, bislang keine durch ihre Bloggertätigkeit verursachten Probleme erlebt zu haben. Bei den Frauen waren es 80,9 Prozent. Nachfolgende Tabelle zeigt die detaillierte Häufigkeitsverteilung:

Der Chi-Quadrat-Test ergab im konkreten Fall zwar keine signifikante Abweichung von der Gleichverteilung, dennoch passt sich auch dieses Ergebnis in das Gesamtbild eines geschlechterabhängigen Bloggerverhaltens ein.

Bei der überwiegenden Mehrheit der Teilfragen von Frage 10 zeigte sich eine Missbilligung der derzeit gültigen rechtlichen Bedingungen durch die befragten Blogger. Am deutlichsten von der Normalverteilung weichen die Antworten bei Teilfrage e) „Haftung für Links“ und h) „Haftung für eingebettete Inhalte“ ab. Lediglich 8,2 Prozent (Links) beziehungsweise 12,4 Prozent (eingebettete Inhalte) stimmten einer Haftung zu.

Ob Verstöße gegen das Urheberrecht tatsächlich die am häufigsten begangene Rechtsverletzung im Internet sind, war im Rahmen dieser Arbeit nicht zu klären. Die Online-Befragung liefert allerdings starke Argumente für die Annahme, dass dieser Grundsatz auf Blogs nicht zutrifft: Lediglich 3,4 Prozent der Teilnehmer sind bereits durch Urheberrechtsverletzungen in Schwierigkeiten geraten. Mehr als die dreifache Menge erhielt Drohungen wegen zu kritischer Inhalte.

Wenig Aufschluss gab es bei der Frage, ob die Blogger-Erfahrung (Frage 3) in einem Zusammenhang mit der Beurteilung des Kritikgrades der eigenen Bloginhalte und der Beachtung von Medienberichten steht. Zu uneindeutig und scheinbar ohne Tendenz fielen die Ergebnisse aus.

Kurzzusammenfassung

  • Bloggen ist eine Männerdomäne.
  • Bloggende Frauen beurteilen die eigenen Bloginhalte als unkritischer als ihre männlichen Pendants.
  • Das Bewusstsein für Medienberichte über Blog-Konflikte hängt signifikant vom Geschlecht ab – Frauen verfolgen diese weitaus weniger aufmerksam.
  • Die Blog-Erfahrung scheint hingegen nicht in einem direkten Zusammenhang mit der Sensibilität für kritische Inhalte und die Berichterstattung darüber zu stehen.
  • Die derzeit gültigen rechtlichen Bedingungen für Blogger werden von den meisten Befragten missbilligt. Besonders die Haftung für Links und die Haftung für eingebettete Inhalte werden auf breiter Linie abgelehnt.
  • Ziemlich genau drei Viertel der Befragten hatte noch nie Probleme durch Blog-Inhalte.
  • Den Bloggern, die bereits Schwierigkeiten bekommen haben, wurde weitaus häufiger Ehrverletzungsdelikte vorgeworfen als beispielsweise Verstöße gegen das Urheberrecht, welches in der Literatur meist als größte Gefahrenquelle für das Publizieren im Internet genannt wird.


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3 thoughts on “2/2

  1. sagt:

    Jetzt muss ich aber auch bei dir meckern!
    „Demnach hängt die Aufmerksamkeit, mit der derartige Medienberichte verfolgt werden, mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99 Prozent vom Geschlecht ab.“
    Hiermit ziehst du den wohl beliebtesten Trugschluss aus einem signifikanten Testergebnis.

    1. stadioncheck sagt:

      Da ich annehme, dass meine Profs meine Note nicht nachträglich schlechter machen können, darfst Du mich gerne korrigieren. Muss allerdings dazu sagen, dass ich als Halblaie mir das auch nicht aus den Fingern gesaugt, sondern aus der Fachliteratur (oder was ich dafür hielt) „abgeschrieben“ habe.

  2. sagt:

    Kein Thema, das steht auch in vielen Büchern falsch. Richtig formuliert wäre z.B. „Demnach wäre die Wahrscheinlichkeit, einen mindestens so großen wie den beobachteten Unterschied zu erhalten, bei tatsächlicher Unabhängigkeit zwischen Geschlecht und der Verfolgung derartiger Medienberichte, kleiner als 1%“.
    Prinzipiell gehst du nämlich davon aus, dass die Abhängigkeit kein Zufallsereignis ist, sondern entweder zu 100% gilt oder zu 100% nicht, was aber eben unbekannt ist. Das ganze würde bayesianisch anders aussehen, aber dafür bräuchtest du eine a-priori-Wahrscheinlichkeit für die Unabhängigkeit.

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