Letztes Geheimnis des Profifußballs gelüftet

Wir befinden uns im Jahre 2010 n. Chr. Der Profifußball befindet sich in einer Ära postsommermärchelnder Aufklärung. Ob Trainer-Ansprachen kurz vor Spielbeginn („Zweimal hämmer se am Rande ghabt.“), leidenschaftlich geführte Taktikdiskussionen oder die Musikauswahl im Mannschaftsbus – die Gepflogenheiten in der Kabine und um die Kabine herum wurden spätestens mit Sönke Wortmanns Dokumentation ihrer Heimlichkeit unwiederruflich beraubt.

Dabei konnte dank medialer Rundumversorgung auch vorher schon der eine oder andere Blick in die Maschinenräume der Schlagzeilenfabrik namens Fußball erhascht werden. Mit dem Ergebnis, dass uns mittlerweile selbst das Zu-Ohren-Kommen nächtlicher Intermezzi in den Entmüdungsbecken der sagenumwobenen Säbener Straße trotz leicht inzestuösen Bouquets höchstens ein kurzes, wissendes Lächeln aufs Antlitz zaubern kann.

Alle Rituale des weltweit beliebtesten Profisports sind also bekannt. Alle Rituale? Nein! Seit Generationen verzweifeln neugierige Fußballanhänger an der Lösung eines existenziellen Rätsels: Was ruft der Mannschaftskapitän seinen Mitspielern unmittelbar nach Halbzeitpfiff zu?

Der Sportschau ist es nun gelungen, diese letzte Wissenslücke zu füllen. Unter tatkräftiger Mithilfe von Heiko Butscher, verletzter Spielführer des SC Freiburg, der vor dem gestrigen Heimspiel gegen Kaiserslautern (Halbzeitstand 1:1) mit versteckten Mikrofonen ausgestattet wurde. Da uns Normalverbrauchern eine solche Vorgehensweise höchstens durch observierte Drogendeals in Hollywood-Filmen geläufig ist, liegt der Verdacht nahe, dass Butscher nicht ganz freiwillig kooperiert hat. Aber das nur am Rande.

Wichtig ist auf Zeichnung. Und diese förderte Erstaunliches zu Tage. Entgegen aller Erwartungen doziert so ein Kapitän nämlich keine aus dem Mentaltraining bekannten Leitsätze, nicht einmal weltmännische Klugheiten wie die eines César Luis Menotti befinden sich in seinem Repertoire. Nein, er füttert seine Mannschaft lediglich mit leicht verdaulichen Motivationshäppchen der Güteklasse „Weiter so!“, „Das packen wir schon!“ oder „Du machst noch dein zweites Tor!“.

Bleibt mir nur noch, mich stellvertretend für sämtliche Gebührenzahler für diesen gleichermaßen faszinierenden wie desillusionierenden Einblick in die nun zur Gänze entmystifiziere Welt des Profifußballs zu bedanken.

Danke.


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