Arme Lilien: Statt Rekord von Spatzen vernascht

Seit einigen Wochen warb der von der Insolvenz bedrohte Regionalligist Darmstadt 98  – unter anderem auch ganz webzwopunktnullig über Twitter – für sein Heimspiel am 07. März gegen den SSV Ulm. Die Lilien hatten sich zum Ziel gesetzt, den Rekord für ein viertklassiges Pflichtspiel in Deutschland zu überbieten. Aktuell soll dieser bei 14.020 Besuchern liegen, aufgestellt beim traditionsreichen Hass-Derby 1. FC Union vs. BFC Dynamo in der Saison 2005/2006. Letzte Wasserstandsmeldung ein Tag vor dem Spiel: 8.000 verkaufte Tickets.

Es stellt sich jetzt natürlich die Frage, ob der in Berlin erreichte Wert tatsächlich die Bestleistung in der vierten Liga darstellt. Zumindest ein Relegationsspiel mit einer größeren Kulisse hat es bereits gegeben. 2001 trafen im aufstiegsentscheidenden Kräftemessen die beiden Staffelsieger der Nordost-Oberligen aufeinanderer, welches der 1. FC Magdeburg wiederum gegen BFC vor 20.000 Zuschauern für sich entscheiden konnte. Für eine reguläre Ligapartie konnte ich aber tatsächlich keine höhere Zuschauerzahl recherchieren.

Ein Vergleich ist auch deshalb kompliziert, weil das hiesige Ligensystem in den letzten 46 Jahren ständigen Umstrukturierungen und Umbenennungen ausgesetzt war. Mangelde Dokumentation in Vor-Internet-Zeiten macht die Sache nicht gerade einfacher. Seit der Einführung der Bundesliga firmierten die höchsten vier Spielklassen jedenfalls folgendermaßen:

* in manchen Landesverbänden auch „Landesliga“ genannt

Daraus ergeben sich folgende Zuschauerrekorde (ab 1963):

An dieser Liste hat sich durch das Spiel am Samstag nichts geändert. Lediglich 11.100 Zahlende wollten das Aufeinandertreffen der beiden ehemaligen Bundesligisten live vor Ort verfolgen, was natürlich trotzdem eine ordentliche Hausnummer ist. Es ist allerdings mehr als fraglich, ob angesichts der verheerenden 0:4-Niederlage gegen die Spatzen viele der Neo-Stadiongänger zu einem „normalen“ Punktspiel ohne Rahmenprogramm und sonstigem Pipapo wiederkehren werden.

Dem SVD ist auf jeden Fall zu wünschen, dass die Partie ein ausreichend großes Sümmchen in die Vereinskasse gespült hat. Als bekennender Event-Otto, der 2005 beim historischen 8:0 in der Alten Försterei dabei war, bin ich aber natürlich froh, dass die damals gesetzte Marke weiterhin Bestand hat.

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